Aus dem wendischen Sprachschatz

von Dr. Heinz-Walter Knackmuß 6. Januar 2011 13:04


von Günter Thonke

tobola,tobole = Töbelkiep , Tasche, Hirtentasche

hot und tu (auch wist) = Rechts und Links (Hü und Hott)

dalej = weiter, schnell, vorwärts (dalli,dalli)

kolesa = Kalesche, Räderfuhrwerk

koelja = Korb, Kutsche

kareta = Karre, schlechter Wagen

droga = Droschke

drozka = kleiner Weg, leichter schmaler Wagen

chomatu = Joch, Kummet

bicz = Peitsche, Pitsche (platt)

karbacz = Karbatsche,geflochtene Geißel

kanczuk = Riemenpeitsche, Kantschu butz = Schlafstelle

döns = Stube

hutsche = Fußbank

baba = Bett

schlippe = Schoß

ketzer = Kescher, Fischnetz

glupsch = trotzig

aische = unartig

pracher = Bettler

prampinen = quälen, keine Ruhe lassen

slaow = sich abquälen Sklave

rabanzen = arbeiten

bred = waten (Brädikow)

plavi = Floss, Schiff (Plaue)

kolono = Knie (Schollene)

reka = Fluss (pro reka-Parey)

pleso = See (Plessow)

vrch,gora = Berg (Görne,Gohre)

lug = Bruch, Luch (Lochow)

luza = Sumpf (Lietzow)

para = Morast (Paaren)

tek = fließen (Steckelsdorf)

pretoku = durchfließen (Prietzen)

bagno = Moor (Bahnitz)

studenici = Brunnen (Stüdenitz)

wedel = Quelle (Salzwedel)

rebru, reber = Anhöhe (Rehberg)

suchy , suchu = trocken (Zauchwitz,Zauche)

zemlja, ziemia = fruchtbar (Semlin)

hlumu,cholm = Hügel (Golm)

leda, ledina = wüst (Landin)

vyzu, wysoky = hoch (Wittstock)

glina = Lehm (Glien)

kremy = Kiesel (Kremmen)

pesuku,piasek = sandig (Pieskow,Markgrafpieske)

slanu = salzig (Schlänitz)

slatina = Sumpf, Slate (Schlachtensee)

soli = Salz (Selbelang)

buk = Rotbuche (Buckow)

dabu, dob = Eiche (Damme)

lipa = Linde (Liepe)

boz, bez = Hollunder (Pessin, Päwesin)

breza = Birke (Briesen, Wriezen)

sosna = Fichte ( Zootzen, Zossen)

brestu, brijest = Rüster,Ulme (Briest)

deguti = Birkenteer (Dechtow)

glogu = Weißdorn (Glogau)

grusa = Birnbaum (Krossen)

jariza = Sommerfeld (Jerichow, Garlitz)

luby = lieb,teuer (Lebus)

koreni,korjen = Wurzel (Chorin, Kyritz)

pini, pien = Stubben (Pankow,Pinnow)

pyro = Weizen ( Pyritz,Pirow)

ruzy,roz = Roggen (Retzow, Roskow)

repa,repina = Rüben (Ruppin, Reppen)

seno, siano = Heu (Senzke, Zinna)

slama = Stroh (Schlamau)

smarz = Morchel (Schmerzke)

cis, tisu = Eibe (Dessow, Deetz)

topola = Silberpappel (Toppel, Töplitz)

vruba, vjerba = Weide (Werben)

bor = Wald (Barnewitz)

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Beiderseits der Havel von Rathenow bis Plaue

von Dr. Heinz-Walter Knackmuß 6. Januar 2011 12:38


von Günter Thonke

Richtung Westen verlassen wir über die Havel und den Kanal den Ort und nähern uns den Kreisverkehr am Ende von Neue Schleuse, von den wir uns gen Böhne bewegen. Über die ICE-Strecke, einst die Blockstelle führt uns nun eine Brücke, von der wir in das Land schauen können bis zum Höhenzug des Pappert im Westen. Links liegt Bölkershof mit dem Mont Klamott der Stadt und den Sortierwerk der Firma Friese. Die Gehöfte danach wurden nach Dorfbränden ausgelagert auf ihre Ackerflächen, aber auch als Ziegeleien bis 1914 genutzt (Borchmann auf Ludwigshof, Fähnlein auf Bölkershof ).

Wir kommen nach Böhne und haben zuvor den Königsgraben erreicht, der zur Entwässerung der Niederung von Jerichow her auf Anraten des Sydower Pfarrers durch den „Alten Fritz“ um 1750 gegraben wurde. Einst wurde diese Niederung oft von Deichüber- flutungen der Elbe geplagt. Das Dorf Böhne (bonum= guter Ort) ist Wohnsitz des Landrates von Briest 1675 gewesen und von dort wurde die Rückeroberung Rathenows geplant mit seiner Hilfe. !944 wurde dort der damalige Hausherr Generalfeldmarschall von Kluge in aller Stille am Mausoleum auf dem Pappert bestattet. Heute ist dort alles eingeebnet, nur drei Steine erinnern an von Briest, von Briesen und von Kluge, die dorten ihre letzte Ruhe gefunden haben. 1412 hausten in Böhne die von Putlitz und von Quitzow räuberisch und wollten das Dorf einäschern, wenn nicht 6 Wispel Hafer und 5 Fuder Bier nachgeliefert werden würden. 1415 regulierten die Hohenzollern diese Landplage, nutzten aber später diese Leute für ihre Vorhaben!

Wir biegen ab nach Bützer, schon 946 und 1150 als Podesal erwähnt. Die letzte Ziegelei der einst vielen hier stellte 1966 die Produktion von Dachsteinen ein als VEB. Zuvor einst Witte & Sohn vom Sohn, gestempelt: Witte&SvS ! Rathenow auf den Steinen.

Die kleine Kirche hat uralte Deckenmalereien aus dem 12.Jahrhdt.

Die Brücke nach Milow über die Stremme, einst Grenze zwischen den Bistümern Brandenburg und Havelberg ist erreicht. Bevor es hier eine Zugbrücke gab, war dort nur eine Kahnfähre gewesen, auf der es wegen Überlastung zu einem folgenschweren tödlichen Unfall gekommen war. Da diese Zugbrücke 1945 gesprengt wurde folgte die heutige Brücke. Die Havel nimmt am Milower Schloss die aus dem alten Plauerkanal bei Rossdorf kommende Stremme auf, die am Milowerberg (72m) und Vieritzerberg (86m) die Wolfsmühle die Kraft lieferte. Die Fachwerkkirche in Milow ist einen Besuch wert und wir werden auf der Rückfahrt durch die Gemeinden kommen. Zur Linken fahren wir über die neue Brücke, die der alten Fährstelle nach dem Kriege folgte. Das linker Hand liegende Schloss, war einst eine oft umkämpfte Burg gewesen zwischen dem Magdeburger Bischof und dem Brandenburger Markgrafen und Kurfürsten. Von 1407 bis 1754 saßen dort die von Treskow, ehe Moritz von Anhalt, Sohn des „Alten Dessauer“ das Gut erwarb. Die Fähre wurde lange Zeit durch einen Bolle betrieben.

An der östlichen Havelseite treiben die Premnitzer Wassersport und viele bauten sich dort an der Strasse Datschen und Wohnhäuser.

Die Ampel leitet uns durch die alte Dorfstrassen von Premnitz,

an der Kirche vorbei und in der es noch den Luckeschen Vierseitenhof

gibt aus der Zeit als die Landwirtschaft noch „in“ war, aber auch die Ziegelproduktion schuf Arbeit. Die Tone kamen aus dem 1912 abge- soffenen See und wurden mit einer Seilbahn zur Ziegelei am Fluss gebracht. Groß wurde Premnitz durch die im ersten Krieg nach hier verlegte Pulverfabrik aus Köln- Rottweil, die dann auf Kunstseide durch die I.G.Farben umgerüstet wurde und der Schwefelsäure, Bleitetraethyl- und Aktivkohleherstellung folgten bis zu deren aus nach der Wende. Durch Polyamid hofft man auf einen neuen Anfang. Wir passieren das Wahrzeichen des Ortes, die Reste der alten Hafenbahnbrücke, den Bahnhof-Süd und verlassen den Ort am Kraftwerk zur Linken vorbei. Zur Rechten erkennen wir die Relikte einer alten Holländer-Mühle, ehe wir uns Döberitz nähern, einem alten wendischen Rundling einst, das sich heute nicht eingemeinden lassen möchte. Über Gapel kommen wir in das über tausendjährige Pritzerbe, sehen zur Rechten die Havel und ahnen dort die Bahnitzer-Schleuse mit seiner Sportboot-Umfahrung. In Pritzerbe gibt es noch die Fähre nach Kützkow mit seinem Zeltplatz und für PKW die Möglichkeit auf Plattenwegen nach Bahnitz und Möthlitz zu kommen.

Am Bahnhof geht es in Richtung Marzahne am Pritzerber-See vorbei.

Am Pass zwischen dem Ort und Fohrde kreuzen wir den Wasserweg zur Havel. Hier soll auch die Fluchtburg des Brandenburger Bischofs gewesen sein, ehe er diese nach Ziesar verlegte, näher zum Dienst-

Herrn in Magdeburg. Die alte Orgel in Pritzerbe stammt aus der Garnisonkirche von Potsdam (1772), die Glocken goss man 1793 in Berlin. Fischfang und Schiffbau hatten hier eine Heimat gehabt, solange der Wasserweg ein wichtiger Transportweg war. Der Bau des Plauerkanals reduzierte die Hauptrichtung Stettin- Magdeburg, nur nach Hamburg wuchsen die Transporte noch. Der Fluss war bis 1900 reguliert worden für die Schiffsgrößen durch Buhnen und Begradig- ungen und den Schleusen als Staustufen. Seenartig erweitert er sich bis zum Pass in Plaue. Die Havel hat ein sehr geringes Gefälle, von Spandau bis zur Mündung sind es 10 Meter. Beträchtlich ist dagegen die Breite,bei Potsdam 60-100 m, bei Brandenburg 215 – 315 m, bei Pritzerbe 100 – 160 m.

In Fohrde (1227 villa verden,1450 vorde) meint die Furt hier.

Über Tiekow und der Insel Lutze (luce= Versteck, Lauer) gegenüber

erreichen wir Briest (1294=villa brisitz,1396 =windisten Briest).

In Krahnepuhl gibt es weiterhin noch Steine und der Briester Flugplatz hofft auf eine Zukunft, ehe wir den Plauerpaß erreichen, einst durch seine natürliche Lage ein wichtiger der Mark.

Die alte Brücke und die Durchfahrung des Ortes hat ausgedient und nach einem mühevollen Bau tut es die neue Brücke. Im Ort Plaue geht es gemächlicher zu, das Schloss von einem Minister Friedrich des Ersten – von Görner – erbaut, kann zu einem der schönsten Landsitze der Mark gerechnet werden. Einst als Burg gehörte sie dem Magdeburger Erzbischof, dem Landeshauptmann Lippold von Bredow und dem Johann von Quitzow, ehe der Hohenzoller 1412 ihn vertrieb

Bögen wir im Ort ab, so kämen wir über die Brücke zum Wendsee nach Kirchmöser zum Seegarten am Plauer See. Wir aber fahren gen Genthin bis Neu-Bensdorf, biegen ab nach Alt-Bensdorf oder dort noch einmal nach Vehlen am dortigen Berg. So wir es nicht tun, geht es weiter nach Knoblauch. Hier soll einst eine Hostie aus der Kirche gestohlen worden sein, welche eine Vertreibung der Juden aus der Mark einleitete. Nitzahn und Jerchel heißen die nächsten Dörfer. In Jerchel wurde die Kirche abgerissen wegen Baufälligkeit, nur eine freihängende Glocke markiert noch die Stelle. In der Ferne sehen wir die Schlote von Premnitz und durchqueren Marquede, wo einst Ziegelsteine gebacken wurden. Vor uns liegen die Milower Berge und wir erreichen den einstigen Ortsteil Leopoldsburg, einer Gründung des Moritz von Anhalt. Der ließ eine eigene Kirche der reformierten Gemeinde bauen für seine Leute aus dem Anhaltinischen. Die sollte zwar schon abgerissen werden, dient heute dem Gelde. Die Eisenbahn kam einst von Genthin bis Milow-Süd, wurde aber nie bis Premnitz weitergeführt wie es einst geplant war. So hat alles seine Zeit. Die Dorfgrenze der beiden Gemeinden waren an den Vorgärten zu erkennen, Leopoldsburg leistete sich keine. Bimmel-Bolle, ein Bruder des Fährmannes, aus Berlin baute sich in Milow einen Prunkbau für die Erholungsuchenden seines Molkereibetriebes in Berlin. Sie wird nun als Jugendherberge genutzt.

Über die Havel und Premnitz nähern wir uns dem wachsenden Mögelin. Diese Chaussee wurde erst vor hundert Jahren über Pritzerbe nach Brandenburg gebaut, vorher ging der Weg über Grünaue, Seelensdorf, Hohenferchesar und Briest und als Chaussee über Bamme nach Marzahne seit 1848. Das Dorf Mögelin gehörte einst dem Bredow und den Kalandsbrüdern, einem Bettelorden und war an die Kirche Rathenows gebunden. Eine Ziegelei und Köhlerei im Walde belebten den Ort, in neuerer Zeit war es auch die Optik und der Maschinenbau gewesen. Heute siedeln sich viele Eigenheimbauer östlich der Bahn an, sie verdoppelten die Einwohnerzahl und alle haben nun Premnitz als Amtgemeinde. Die einstige Umgehungs - strasse ist wieder eine Dorfdurchfahrt geworden und wird gerne auf Tempofahrer kontrolliert. Ein Altarm der Havel wurde von den Bützerschen Ziegeleien einst zum Umladen der Steine vom Schiff auf einen Gleisanschluss genutzt. Das neue Gewerbegebiet auf dem Gelände des einstigen Arado-Flugzeugwerkes und Heidefeldes beginnt sich zu mausern und möge zu den gewünschten Arbeitsplätzen führen. Das füge die Zukunft.

Rathenow hat uns wieder, - Bismarckturm und Kirchturm grüßen und durch den Tunnel unter der ICE-Strecke kommen wir heim.

Wir sahen unsere Perlen am märkischen Sand, mehr und weniger geschichtsträchtig, aber für viele von uns die alte oder neue Heimat!

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Die Apothekerraupen

von Dr. Heinz-Walter Knackmuß 6. Januar 2011 12:00


von Günter Thonke

Der Kohl war in diesem Jahr voller Raupen. Ohne Chemie hatte das Ungeziefer freie Bahn. Tritt dieses in Massen auf, meiden es sogar die natürlichen Feinde. Die Menschen beauftragen ihre alten Leute, die die Enkel wegen des Bückens um Hilfe bitten. Umsonst ist da auch nichts. Opa quälte sich durch die Kohlreihen, als ein Jugendfreund aus seiner Sturm- und Drangzeit aus Strodehne, wohin das Neueste immer etwas später kam und Schlüsse langsam gezogen wurden, am Gartenzaun hielt und ihn fragte, was er da tue. Ob aus der Jugendzeit noch eine Rechnung offen war oder Opa der Teufel ritt, sagte er: „Ich mache das große Geld!

Du weißt doch wie teuer die Medizin geworden ist und im Vertrauen, mir kauft der Apotheker in der Stadt für einen Groschen das Stück die Raupen ab. Aber nicht weiter sagen, sonst fallen die Preise. Ich weiß zwar nicht , was damit geschieht, ob Tinktur, Salbe oder Extrakt da- raus gemacht wird, doch alle sind nach der Suche für alles. Heute lohnt es sich wie toll und da schafft es .“ Nun aber schnell nach Strodehne und nach dem Kohl schauen, den unzählige herrliche Raupen schon im Griff hatten. Mutter mußte alles stehen und liegen lassen und bei der Raupenernte helfen.

Am frühen Morgen ging es mit dem zugedeckten Korb zum Bahnhof. Im Zug hatten sich die ersten Kohlweißlinge befreit und verwunderten den Billettkontrolleur. In der Apotheke boten sie dem Provisor ihre Ware an, der Heilkräuter vermutete und diese begutachten wollte nach der Regel, erst die Ware , dann den Preis.

„Nehmen sie bitte das Tuch vom Korb.“

„Aber auf ihre Verantwortung!“

Das war ein Flattern im Officin. Die Metamorphose hatte sich über Nacht vollzogen. Aus den Raupen waren Falter geworden. In einem Tohuwabohu verließen die Eheleute fluchtartig die Apotheke.

„Siehste ,Frau, wären wir gestern gefahren hätten wir gutes Geld für deine eingeplanten Wünsche in der Stadt gehabt. Nun mußt auch du dich bescheiden und weiter sparen. Aber nächstes Jahr wer- den wir klüger sein und auch mehr Kohl anbauen.“

Als Opa sie vom Bahnhof kommen sah, reterierte er schnell in seinen Stall. Später kam sein Scherz aber doch unter die Leute und von den Lachern erfuhr ich es.

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Carolagrün

von Dr. Heinz-Walter Knackmuß 4. Januar 2011 14:09


Tbc-Heilstätte Carolagrün
1900 - 1965

Erbaut von 1899 bis 1900 durch den Sächsischen Heilstättenverein erhielt die Heilstätte bei der feierlichen Einweihung am 15. Oktober 1900 in Gegenwart der Sächsischen Königin Carola und ihr zu Ehren den Namen Carolagrün. In den 65 Jahren bis 1965 war Carolagrün eine angesehene Tbc-Heilstätte von gutem Ruf, gelegen inmitten erzgebirgischer Wälder des Kreises Aue in einer Höhenlage von 650 Metern als Ortsteil von Schönheide. Heute gehört Carolagrün als Ortsteil zur Stadt Auerbach.
Nach Erweiterungen und Moderniserungen hatte Carolagrün als Frauenheilstätte eine Kapazität von 189 Betten in vier Stationen mit allem erforderlichen Nebengelass und einer medizinischen Abteilung mit Operationssaal, Röntgenabteilung, Labor, Behandlungsräumen für HNO- und Zahnarzt sowie einem ärztlichen Sekretariat mit Untersuchungs- und Sprechzimmern. Damit besaß Carolagrün den Standard einer konservativen Heilstätte mit kleiner und mittlerer Lungenchirurgie.

Tbc-Heilstätte Carolagrün von der Straße aus

Um das Leben in Carolagrün zu gewährleisten, waren neben ausreichendem Wohnraum für das Personal und deren Familien noch eigene Versorgungseinrichtungen erforderlich wie Heizhaus, Wäscherei, Großküche, Schlosserei, Tischlerei, Stallungen für Pferde und nicht zuletzt eine eigene Kläranlage.


Links ist das Verwaltungsgebäude mit Ärztewohnungen
in den Obergeschossen, rechts ist das Hauptgebäude der
Heilstätte Carolagrün

Das war Carolagrün! Hier fanden die Patientinnen alle Voraussetzungen für einen erfolgreichen Abschluss ihrer Heilverfahren. Sie wurden vom Bahnhof mit der Pferdekutsche abgeholt. Es ging dann durch das Silberbachtal in die dicht bewaldete Gegend von Carolagrün, was allein schon von der Luft des Waldes her ein unvergessliches Erlebnis war. Im Wartezummer hing ein Holzschild, wo folgende Worte eingeschnitzt waren:

Das ist des deutschen Waldes Kraft,
dass er kein Siechtum leidet
und alles, was gebrestenhaft,
aus Leib und Seele scheidet.

Für die meisten Patientinnen begann damit ein ca. einjähriger Aufenthalt in der Waldeinsamkeit Carolagrüns, in welcher sich wohlfühlen konnten. 



Rückseite des Hauptgebäudes

Dr. med. Heinz Schaefer hatte seine Tätigkeit in Carolagrün im Jahr 1949 begonnen und war von 1953 bis 1961 der achte Ärztliche Leiter dieser Heilstätte, die vier Jahre nach weinem Weggang als Tbc-Heilstätte geschlossen wurde.

Nach seiner persönlichen Erfahrung mit der Tuberkulose hatte er die richtige Hand für die langwierige Erkrankung und besaß durch seine menschliche Nähe undsein Verständnis das absolute Vertrauen der Patienten. So ließ er die Patientinnen an den Weihnachtsfesten nicht allein, sondern setzte sich an den Flügel und spielte die alten Weihnachtslieder und sprach mit ihnen, denn für Frauen, die zu Weihnachten in der Heilstätte und nicht bei ihren Männern und Kindern sein konnten, war das eine sehr schwere Zeit.

Die Patientinnen dankten es ihrem Arzt und gratulierten ihm zum Geburtstag auf sehr persönliche Weise. Insgesamt waren es 184 Briefe und Dankschreiben, die Dr. Heinz Schaefer von Patientinnen und auch von deren Angehörigen erhalten hat.

Winter in Carolagrün

Arzt und Patientinnen lebten hier wie in einer großen Familie In guter Atmosphäre und bei einer positiven Einstellung der Patienten konnte die Therapie erfolgreich aufgebaut und auch konsequent durchgeführt werden. Die Grundlage der konservativen Behandlung waren ausgedehnte Liegekuren, vorwiegend in den Liegehallen im Wald, - auch im Winter.
Bei fortgeschrittener Tuberkulose wurde neben Chemotherapie ein chirurgisches Vorgehen erforderlich. So hat Dr. Schaefer in seiner gesamten Zeit in Carolagrün 328 Pneumothoraxanlagen, 286 Thorakokaustiken und 37 Phrenikus-Operationen durchgeführt.

Zugleich leitete Dr. med. Heinz Schaefer eine Tuberkuloseberatungsstelle des Kreises Aue, die in Carolagrün etabliert war, mit einem Einzugsgebiet von ca. 25.000 Einwohnern in vier Ortschaften. In diesem Rahmen wurde das gesamte Spektrum einer Tbc-Beratungsstelle von Röntgenkontrollen bis zu Pneumothorax-Nachfüllungen abgedeckt. Des weiteren führte Dr. Schaefer Sprechstunden für die Bevölkerung durch, ferner Schirmbild-Aktionen, BCG-Schutzimpfungen in den Schulen und die Überwachung silikosegefährdeter Bergarbeiter.


Carolagrün - tief verschneit

Carolagrün hatte somit nicht nur Bedeutung als Heilstätte, sondern auch als Zentrum der umfassenden Tuberkulosebekämpfung.

Als Dr. med. Schaefer sich 1961 als Ärztlicher Leiter der Heilstätte entschlossen hatte, Carolagrün nach 12 Jahren zu verlassen, um ein zweite Facharztausbildung zum Röntgenologen aufzunehmen, war das Bedauern von allen Seiten groß. Besonders schmerzlich aber war die Trennung von den Patientinnen, die ihm zum Abschied ein erzgebirgische Pyramide schenkten und einen Dankesbrief überreichten mit vielen guten Wünschen für den weiteren beruflichen und privaten Lebensweg, signiert mit 113 Unterschriften.


Die Weihnachtspyramide aus dem Erzgebirge
als Abschiedsgeschenk für Dr. med Heinz Schaefer

Dr. Schaefer fiel es schwer, diese Heilstätte zu verlassen, aber letztendlich war die Entscheidung richtig gewesen, so viel Dank und Anerkennung er auch immer für seine verdienstvolle Tätigkeit erhalten hatte. Denn in der Kreisstadt Rathenow des Westhavellandes stellte er sich einer neuen Herausforderung und Verantwortung als Medizinalrat und Chefarzt der Zentral-Röntgenabteilung des Paracelsus-Krankenhauses von 1963 bis zum Erreichen der Altersgenze 1985.

Der Heilstättekomplex Carolagrün mit Kapelle

Carolagrün war ein guter Ort für Tuberkulosekranke nach dem Zweiten Weltkrieg 1939 -1945. Heute ist ein Heilbehandlung durch Medikamente das übliche Verfahren gegen Tuberkulose, die mit modernen Medikamenten schneller und wirksamer bekämpft werden kann. Die Menschenführung bei dieser sehr langwierigen Erkrankung war und ist aber nach wie vor ein wesentlicher Anteil der Therapie.

1965 wurde Carolagrün als Tbc-Heilstätte geschlossen.
1966 - 1995 war Carolagrün nach Übernahme von Patienten der kinderpsychiatrischen Abteilung des Krankenhauses Rodewisch eine stationäre Einrichtung zur Förderung und Pflege geistig behinderter Kinder und Jugendlicher.
Ab 01.01.1996 diente Carolagrün der " Lebenhilfe Auerbach e.V." als Wohnheim und Wohnpflegeheim bis zum 30.06.2000.
Im Jahr 2000 endet die 100jährige Geschichte Carolagrüns als Tbc-Heilstätte, psychiatrisches Krankenhaus und Wohnheim. Während einige ehemalige Personalwohnungen neue Nutzer finden konnten, steht der Heilstättentrakt seither leer.
Unter Denkmalschutz sieht er einer ungewissen Zukunft entgegen.

 

© Copyright : Dr. Heinz-Walter Knackmuß (11.01.2011) 

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Laudatio zum 90. Geburtstag von Dr. Heinz Schaefer

von Dr. Heinz-Walter Knackmuß 4. Januar 2011 14:03




Laudatio zum 90. Geburtstag von Med.-Rat. Dr. med. Heinz Schaefer am 11.01.2010
von Dr. Heinz-Walter Knackmuß

Geburtstagsgrüße der Patientinnen in Carolagrün: 11.01.1952 ( vor 58 Jahren)

Heute gratulieren wir unserem Herrn Dr. Schaefer zum Wiegenfeste
und sagen von Herzen das Allerbeste.
Als Arzt und Mensch helfen Sie uns ,um an
Leib und Seele zu gesunden,
das haben die Patienten ihrer Stationen
Wohltuend empfunden.
In aufrichtiger Verehrung danken wir
Ihnen dafür zu dieser Stunde
Und rufen wie aus einem Munde:
Das neue Lebensjahr bringe Ihnen vor
Allem Gesundheit und Wohlergehen.
Die Patienten der Heilstätte Carolagrün

Heinz Schaefer wurde am 11. Januar 1920 in Leipzig geboren. Seine Mutter, die aus einem alten Bauerngeschlecht in Markranstädt stammte, schickte ihn gern in den Ferien zu den Großeltern, wo er als Junge mit Stolz die schweren von Pferden gezogenen Erntewagen ganz allein kutschieren durfte. Heinz-Schaefer besuchte die Petrischule, ein Reformgymnasium, in Leipzig und legte am 7. März 1938 sein Abitur ab. Das war ein Jahr früher als üblich, weil der Krieg schon seine Schatten voraus warf. Wer bei der Wehrmacht angegeben hatte, Medizin studieren zu wollen, kam zurück nach Krefeld und zu einem Kurzlehrgang, wo medizinische Kenntnisse vermittelt wurden. Nach dem Lehrgang wurde er in ein Lazarett nach Brüssel versetzt. Da er sehr gut Französisch sprach, verbinden ihn mit der Brüsseler Lazarettzeit die schönsten Erinnerungen seiner Jugend. Er wurde dann an eine Studentenkompanie nach Leipzig abgeordnet, wo er am 12. April 1945 sein Staatsexamen als Mediziner ablegte. Professor Stöckel, ein noch heute berühmter Gynäkologe, prüfte die Studenten, als schon der Geschützdonner der Amerikaner in Leipzig deutlich zu hören war. Als die amerikanischen Soldaten in Leipzig eintrafen, arbeitete Heinz Schaefer in einem Reservelazarett.1948 brach bei ihm eine Tuberkulose aus, die ihn zwang, ein Jahr lang die Lungenheilstätte Bad Reiboldsgrün aufzusuchen. Als in der Nachbarheilstätte Carolagrün eine Arztstelle frei wurde, ging er am 1.9.1949 dorthin. Die Heilstätte war nach der sächsischen Königin Carola benannt worden. Sein Frau Erna Wuschko, die als Krankenschwester in Leipziger Kliniken gearbeitet hatte, folgte ihm nach der Hochzeit am 22.10.1949 in die Tbc-Heilstätte Carolagrün. Zur Hochzeit wünschte man sich von der bäuerlichen Verwandtschaft als Geschenk vier Hühner, einen Hahn und dazu Futter für ein Jahr. Am 1.10.1952 wurde Dr. Schaefer Facharzt für Lungenkrankheiten und leitender Arzt der Heilstätte Carolagrün. Er war dort gut in der Gemeinde integriert und hatte durch die persönliche Erfahrung mit der Tuberkulose eine hohe Akzeptanz bei den Patienten. Zu Weihnachten durften die Patientinnen nicht nach Haus. Der Pfarrer hielt in der kleinen Heilstättenkapelle einen Gottesdienst und hinterher hielt der leitende Chefarzt eine Weihnachtsansprache, wovon alle sagten: "Viel schöner als die vom Pfarrer." Dr. Schaefer setzte sich jeden Heiligabend an den Flügel und spielte zwei Stunden lang Weihnachtlieder zur Freude aller Patienten, deren Gedanken gerade an diesem Tag natürlich bei ihren Familien waren.

1952 wurde den Schaefers ihr erstes Kind geboren. Tochter Margit kam in Zwickau zur Welt und 1954 folgte der Sohn Frank-Ulrich nach. Die Kinder wuchsen in der herrlichen Gebirgsluft heran. Die Tuberkulose ging zurück und Dr. Heinz Schaefer überlegte mit seiner Frau doch noch eine zweite Facharztausbildung als Röntgenarzt zu beginnen.

Die Freizeit, die man gemeinsam auf dem Segelboot auf der Talsperre Pöhl bei Ölsnitz verbrachte, ließ die Annonce aus Rathenow verlockend erscheinen, denn Rathenow lag in einer Seen und waldreichen Umgebung. Dazu kam, dass Dr. Hamann der Vorgänger von Dr. Schaefer ein langjähriger Freund der Familie in Rathenow die Röntgenabteilung leitete. Trotz vieler Tränen in Carolagrün und einer wunderschönen Weihnachtspyramide als Abschiedsgeschenk, suchte Familie Schaefer am 1.2.1961 in Rathenow in der Röntgenabteilung den Neubeginn. 1963 wurde Dr. Schaefer zum Chefarzt der Röntgenabteilung in Rathenow berufen und 1964 wurde die zweite Facharztprüfung für Röntgenologie abgelegt. In Rathenow bestand ein gutes Team unter der Renate Rehfeld, die ein vorzügliches Arbeiten gestattete.

Als 1985 der Ruhestand kam, wurde die Tätigkeit nicht abrupt unterbrochen, sondern es gab ein langsames Ausschleichen aus dem Beruf. Die Hobbys wie Segeln auf dem Semliner See , Fotografieren und das Wochenendhaus in Semlin füllten die Freizeit aus. Beruflich wurde ihm am 11.12.1974, dem damaligen Tag des Gesundheitswesens, der Titel Medizinalrat zuerkannt und damit seine medizinische Leistung auch in der DDR ( Deutschen Demokratischen Republik) gewürdigt.

Nach 1990 trat er der CDU bei und gründete am 28.11.1990 die Seniorenunion im Kreis Rathenow, deren Vorsitzender er ist. Als Schwerpunkte seiner Arbeit in der Seniorenunion sah er die Rentengerechtigkeit zwischen Ost und West an. Dazu führte er in Bonn viele Gespräche mit der CDU-Spitze. Ebenso lag ihm die Herstellung der inneren Einheit Deutschlands am Herzen. Sein Credo war dabei, dass diese Einheit nur in persönlichen Gesprächen der Menschen zwischen Ost und West zu erreichen ist. Auf anderem Wege werden die beiden deutschen Teile nicht zusammen wachsen. Jeden Monat einmal lud Medizinalrat Dr. Schaefer die Alten in der CDU zu einem interessanten Nachmittag mit Vorträgen, Gesprächen und Ausflügen ein. Zu seinem 85. Geburtstag wurde sein herausragendes ehrenamtliches bürgerschaftliches Engagement mit der Auszeichnung der Konrad-Adenauer-Medaille geehrt. Medizinalrat Dr. Heinz Schaefer ist der erste Brandenburger, der diese Auszeichnung erhalten hat und der vierte Bürger in der gesamten Bundesrepublik.

Er ist trotz seines Alters ein quicklebendiger Mann, der sich für den Wiederaufbau der Sankt-Marien-Anderas-Kirche engagiert. Dem Förderkreis zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow trat er am 06.03.2000 bei. Mit seiner Frau zusammen hat er eine Vielzahl von Spenden für den Wiederaufbau des Gotteshauses gegeben. Dabei waren Geburtstage und familiäre Jubiläen für die Familie Schaefer immer Anlass statt Geschenke um eine Spende für den Wiederaufbau der Kirche von den Gratulanten zu erbitten. Dafür dankt der Förderkreis Med.-Rat Dr. Schaefer und seiner Gattin.


Heut zu ihrem Wiegenfeste
wünschen wir das allerbest.
Froh und heiter solln Sie weiter
in die nächsten Zeiten sehn,
immer mutig -nie verzweifelnd
an dem Arbeitsplatze stehn.
Denn das ist nun mal Ihr Leben>
Sie sind für die Menschen da:
die Ihnen das Vertraun gegeben
und in Ihnen den Retter sah.
Heute, wie in allen Zeiten
solln Sie jedem Vorbild sein
alle werden zu Ihnen kommen
Familie, Kranke, groß und klein.
Glück, Gesundheit, frohe Stunden,
Schaffenskraft und Wohlergehn,
wünschen wir von ganzem Herzen,
sollen Ihnen zur Seite stehn

Verbunden mit den besten Wünschen für
das neue Lebensjahr
ihre Patienten
von den Stationen I, II und III
in Carolagrün


Copyright Dr. Heinz-Walter Knackmuß (30.09.2016)


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Biografie von Med.-Rat Dr. med. Heinz Schaefer

von Dr. Heinz-Walter Knackmuß 4. Januar 2011 08:02



Med.-Rat Dr. med. Heinz Schaefer mit seiner Frau Erna

Heinz Schaefer wurde am 11. Januar 1920 in Leipzig geboren. Seine Mutter, die aus einem alten Bauerngeschlecht in Markranstädt stammte, schickte ihn gern in den Ferien zu den Großeltern, wo er als Junge mit Stolz die schweren von Pferden gezogenen Erntewagen ganz allein kutschieren durfte. Da sein Großvater väterlicherseits Lehrer und sein Vater Postbeamter waren, stand eine akademische Laufbahn außer Frage. Heinz-Schaefer besuchte die Petrischule, ein Reformgymnasium, in Leipzig und später die Ostwaldschule, wo er am 7. März 1938 sein Abitur ablegte. Das war ein Jahr früher als üblich, weil der Krieg schon seine Schatten voraus warf. Wer studieren wollte, musste vorher den Arbeitsdienst absolvieren. So ging es ein halbes Jahr nach Forst (Neiße). Danach musste Heinz Schaefer seinen Wehrdienst antreten, der sich durch die Ereignisse des zweiten Weltkrieges über sieben Jahre hinzog. Er war für das Infanterieregiment in Leipzig gemustert worden und wurde schon fünf Tage vor dem Beginn des Krieges gegen Polen mit seinem Regiment hinter die polnische Grenze beordert und sofort wieder zurück. Ab 1.9.1939 ging es dann erneut nach Polen, zuerst bis Lublin und dann bis zum Bug. Wer bei der Wehrmacht angegeben hatte, Medizin studieren zu wollen, kam zurück nach Krefeld und zu einem Kurzlehrgang, wo medizinische Kenntnisse vermittelt wurden. Nach dem Lehrgang wurde er in ein Lazarett nach Brüssel versetzt. Da er sehr gut Französisch sprach, verbinden ihn mit der Brüsseler Lazarettzeit die schönsten Erinnerungen seiner Jugend. Er wurde dann an eine Studentenkompanie nach Leipzig abgeordnet, wo er am 12. April 1945 sein Staatsexamen als Mediziner ablegte. Professor Stöckel, ein noch heute berühmter Gynäkologe, prüfte die Studenten, als schon der Geschützdonner der Amerikaner in Leipzig deutlich zu hören war. Als die amerikanischen Soldaten in Leipzig eintrafen, arbeitete Heinz Schaefer in einem Reservelazarett, was dann von den Russen übernommen wurde. Das Lazarett wurde mit kranken Russen vollgestopft. Viel von ihnen litten an Tuberkulose. Die russische Chefärztin meinte bei ihrer ersten Rede, der Krieg sei nun zu Ende und man habe das gemeinsame Ziel, die Patienten gesund zu machen. Heinz Schaefer wollte Chirurg werden und ging nach Leipzig-Dösen.
1948 brach bei ihm eine Tuberkulose aus, die ihn zwang, ein Jahr lang die Lungenheilstätte Bad Reiboldsgrün aufzusuchen. Als in der Nachbarheilstätte Carolagrün eine Arztstelle frei wurde, ging er am 1.9.1949 dorthin. Die Heilstätte war nach der sächsischen Königin Carola benannt worden. Sein Frau Erna Wuschko, die als Krankenschwester in Leipziger Kliniken gearbeitet hatte, folgte ihm nach der Hochzeit am 22.10.1949 in die Tbc-Heilstätte Carolagrün. Zur Hochzeit wünschte man sich von der bäuerlichen Verwandtschaft als Geschenk vier Hühner und einen Hahn und dazu Futter für ein Jahr. Der Hühnerstall mit den sehr herzlich begrüßten Hühnern in dem wunderschönen von dichten Bäumen eingeschlossenen Erzgebirgsort Carolagrün war fast vor der kompletten Wohnungseinrichtung fertig und half über die schweren Notzeiten hinweg. Am 1.10.1952 wurde Dr. Schaefer Facharzt für Lungenkrankheiten und leitender Arzt der Heilstätte Carolagrün.


Chefärzte in Carolagrün

Er war dort gut in der Gemeinde integriert und hatte durch die persönliche Erfahrung mit der Tuberkulose eine hohe Akzeptanz bei den Patienten. Zu Weihnachten durften die Patienten nicht nach Haus. Der Pfarrer hielt in der kleinen Heilstättenkapelle einen Gottesdienst und hinterher hielt der leitende Chefarzt eine Weihnachtsansprache, wovon alle sagten: "Viel schöner als die vom Pfarrer." Dr. Schaefer setzte sich jeden Heiligabend an den Flügel und spielte zwei Stunden lang Weihnachtlieder zur Freude aller Patienten, deren Gedanken gerade an diesem Tag natürlich zu Hause waren.

Engelschor als Erinnerung aus der Zeit in Carolagrün

1952 wurde den Schaefers ihr erstes Kind geboren. Tochter Margit kam in Zwickau zur Welt und 1954 folgte der Sohn Frank-Ulrich nach. Die Kinder wuchsen in der herrlichen Gebirgsluft heran. Der Schulweg durch den grünen Wald betrug 2 km. Die Tuberkulose ging zurück und Dr. Heinz Schaefer überlegte mit seiner Frau doch noch eine zweite Facharztausbildung als Röntgenarzt zu beginnen.
Die Freizeit, die man gemeinsam auf dem Segelboot auf der Talsperre Pirk bei Ölsnitz verbrachte, ließ die Annonce aus Rathenow verlockend erscheinen, denn Rathenow lag in einer Seen und waldreichen Umgebung. Dazu kam, dass Dr. Hamann der Vorgänger von Dr. Schaefer ein langjähriger Freund der Familie in Rathenow die Röntgenabteilung leitete. Trotz des lukrativen Einzelvertrages in Sachsen und vieler Tränen in Carolagrün und einer wunderschönen Weihnachtspyramide als Abschiedsgeschenk, suchte Familie Schaefer am 1.2.1961 in Rathenow in der Röntgenabteilung den Neubeginn.

Weihnachtspyramide als Abschiedsgeschenk aus Carolagrün

1963 wurde Dr. Schaefer zum Chefarzt der Röntgenabteilung in Rathenow berufen und 1964 wurde die zweite Facharztprüfung für Röntgenologie abgelegt. In Rathenow bestand ein gutes Team unter der Renate Rehfeld, die ein vorzügliches Arbeiten gestattete.
Als 1985 der Ruhestand kam, wurde die Tätigkeit nicht abrupt unterbrochen, sondern es gab ein langsames Ausschleichen aus dem Beruf. Die Hobbys wie Segeln auf dem Semliner See , Fotografieren und das Wochenendhaus in Semlin füllten die Freizeit aus. Beruflich wurde ihm am 11.12.1974, dem damaligen Tag des Gesundheitswesens, der Titel Medizinalrat zuerkannt und damit seine medizinische Leistung auch in der DDR ( Deutschen Demokratischen Republik) gewürdigt.
Nach 1990 trat er der CDU bei und gründete am 28.11.1990 die Seniorenunion im Kreis Rathenow, deren Vorsitzender er ist. Als Schwerpunkte seiner Arbeit in der Seniorenunion sah er die Rentengerechtigkeit zwischen Ost und West an. Dazu führte er in Bonn viele Gespräche mit der CDU-Spitze. Ebenso lag ihm die Herstellung der inneren Einheit Deutschlands am Herzen. Sein Credo war dabei, dass diese Einheit nur in persönlichen Gesprächen der Menschen zwischen Ost und West zu erreichen ist. Auf anderem Wege werden die beiden deutschen Teile nicht zusammen wachsen. Jeden Monat einmal lud Medizinalrat Dr. Schaefer die Alten in der CDU zu einem interessanten Nachmittag mit Vorträgen, Gesprächen und Ausflügen ein. Zu seinem 85. Geburtstag wurde sein herausragendes ehrenamtliches bürgerschaftliches Engagement mit der Auszeichnung der Konrad-Adenauer-Medaille geehrt. Medizinalrat Dr. Heinz Schaefer ist der erste Brandenburger, der diese Auszeichnung erhalten hat und der vierte Bürger in der gesamten Bundesrepublik.
Er ist trotz seines Alters ein quicklebendiger Mann, der sich für den Wiederaufbau der Sankt-Marien-Anderas-Kirche engagiert, aber auch für den Volksbund der Deutschen Kriegsgräberfürsorge und wie kann es anders sein als Segelbegeisterter ist er Mitglied der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. Seine weiteren Interessen gelten dem Deutschen Roten Kreuz, dem Weißen Ring , dem Schutz bedrohter Arten und hauptsächlich auf Betreiben seiner Frau den SOS-Kinderdörfern. Dem Förderkreis zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow trat er am 06.03.2000 bei. Mit seiner Frau zusammen hat er eine Vielzahl von Spenden für den Wiederaufbau des Gotteshauses gegeben. Dabei waren Geburtstage und familiäre Jubiläen für die Familie Schaefer immer Anlass statt Geschenke um eine Spende für den Wiederaufbau der Kirche von den Gratulanten zu erbitten. Dafür dankt der Förderkreis Med.-Rat Dr. Schaefer und seiner Gattin.
Seine zwei erwachsenen Enkelsöhne und noch aufzuarbeitendes Archivmaterial haben seine Zeit neben der Familie in Anspruch genommen. Er war immer mit vielen Arbeiten beschäftigt bis ihn am  29.12.2010 Gott  kurz vor Vollendung seines 91. Lebensjahres in seine ewige Herrlichkeit zu sich nahm.

Carolagrün – Erinnerungen

Laudatio zum 90. Geburtstag

© Copyright : Dr. Heinz-Walter Knackmuß (Überarbeitung 30.09.2016)










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Biografie von Wolfgang Gruner

von Dr. Heinz-Walter Knackmuß 4. Januar 2011 00:21

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Der Förderkreis dankt dem Hotel Fürstenhof in Rathenow für die freundliche Überlassung des Originalfotos.
Wolfgang Gruner gilt als das Berliner Original der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg. Er wurde am 20.09.1926 in Rathenow geboren. Die Familie wohnte in Rathenow in der Ruppiner Str. /Ecke Curlandstr., im Haus Ruppiner Straße 10 (nach Angaben von Werner Vogel, Bonn).  Er verlebte seine Kindheit in Rathenow und besuchte in Rathenow die Mittelschule. Danach begann er eine Lehre als Steuerinspektor bei der Finanzverwaltung der Stadt Rathenow. Die Lehre wurde durch den Zweiten Weltkrieg vorzeitig beendet und mit einer Notprüfung abgeschlossen. 1944 wurde er zur Wehrmacht eingezogen. Er kam in russische Kriegsgefangenschaft und hatte da Berührung mit dem Theater bekommen und begann nach seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft 1950 in Berlin eine Schauspielausbildung bei Marliese Ludwig. Noch während der Schauspielausbildung spielte er schon in zwei Stücken an der Berliner Volksbühne mit. Seine Schauspielausbildung verdiente er sich durch Hilfsarbeiten im Berliner Gemüsegroßhandel. 1951 trat er  als Kabarettist im Berliner Kabarett " Die Fliegenpilze" auf und wurde  später berühmt als Mitglied des Kabaretts " Die Stachelschweine", dem er als Kabarettist und Regisseur bis zu seinem Tode treu blieb. Bundesweit bekannt wurde er durch  die ZDF-Show " Der große Preis". Hier trat er als Fritze Flink auf. Die Berliner Abendschauzuschauer kannten ihn auch als Straßenkehrer " Otto Schruppke". Er spielte in verschiedenen Kino- und Fernsehfilmen mit. Seiner Heimatstadt Rathenow war er zeitlebens herzlich verbunden. Zuerst war es seine Mutter, die noch in Rathenow lebte und dann hatte er in Rathenow Schulfreunde, mit denen er verbunden war. Nach der Einheit Deutschlands 1990 nahm er an den Klassentreffen in Rathenow teil. Als leidenschaftlicher Fußballer kam er regelmäßig zu Fußballspielen von Berliner Fußballvereinen gegen FSV Optik Rathenow im Stadion Vogelgesang nach Rathenow. Am 22.05.1992 trat unter seiner Leitung das Kabarett " Die Stachelschweine" im Kulturhaus Rathenow auf. Den Erlös spendete er für den Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche. Am 05.09.2001 war er im Hotel "Fürstenhof" zu Gast und beobachtete interessiert, wie der Hubschrauber der Bundeswehr versuchte, die Spitze auf den Turm der Sankt-Marien-Andreas-Kirche aufzusetzen.  Für den Wiederaufbau des Turms spendete er die Kupferplatte Nr. 72 (125,00 €). Er trat am 30.01.1997 dem Förderkreis zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow e.V. bei. Er wollte damit auch ein Zeichen für den Neuanfang in seiner Heimatstadt und deren Kirche setzen. In dieser Kirche war er getauft und konfirmiert worden. Am 16. März 2002 starb er im Alter von 75 Jahren in Berlin.

© Copyright : Dr. Heinz-Walter Knackmuß

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Biografien

Biografie von Pfarrer Andreas Buchholz

von Dr. Heinz-Walter Knackmuß 3. Januar 2011 23:54

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Andreas Ulrich Klaus Buchholz wurde  am 11.06.1960 in Prenzlau (Uckermark) im dortigen Krankenhaus (ehemaliges Dominikanerkloster) geboren. Der Vater Ulrich Bertold Franz Buchholz war Pfarrer in Drense bei Prenzlau und in Brandenburg an der Havel, wo er  in der Christusgemeinde der Stahl -und Walzwerksiedlung seinen Dienst versah. Die Mutter Regine Edith Teichert war Hausfrau. Andreas Buchholz wurde in die erste Klasse der Dorfschule in Drense eingeschult, kam aber schon nach diesem ersten Schuljahr nach Brandenburg an der Havel, wo er bis zur 10. Klasse die Karl-Liebknecht-Oberschule besuchte.  Nach der Schule begann er von 1976 -1978 ein Lehre zum Baufacharbeiter beim VEB (Volkseigenen Betrieb) BMK (Bau- und Montagekombinat) Ost und war danach von 1978 -1979 als Betriebshandwerker im Luise-Henrietten-Stift in Lehnin tätig.   1979 legte er am Katechetischen Oberseminar in Naumburg an der Saale ein Notabitur ab und begann im gleichen Jahr an diesem Oberseminar ein Theologiestudium, das er 1985 als Diplom-Theologe abschloss. Von 1985 -1987 absolvierte Andreas Buchholz das Vikariat am Havelberger Dom und in Kirchmöser bei Brandenburg an der Havel. Nach seiner Ordination zum Pfarrer im Jahre 1987 durch den Bischof der Evangelischen Landeskirche Berlin-Brandenburg, Gottfried Forck, in der Berliner Marienkirche war er von 1987 -1999 Pfarrer in Sadenbeck (Prignitz). Seit 1999 ist er geschäftsführender Pfarrer der Sankt-Marien-Andreas-Gemeinde in Rathenow. Nach der Fusion der Kirchenkreise Rathenow und Nauen wurde er 2004 zum stellvertretenden Superintendenten des Kirchenkreises Nauen-Rathenow gewählt.
Am 01.03.1980 heiratete er Magdalena Agnes Ziethe und wurde in der St. Gotthardtkirche in Brandenburg an der Havel getraut. Am 15.02.1981 wurde der Sohn Imanuel Paul Ulrich, am 18.08.1983 die Tochter Miriam Ilse Regine, am 24.09.1986 der Sohn Samuel Andreas, und am 27.09.1997 die Tochter Samira Magdalena geboren. Das Ehepaar Buchholz hat bisher zwei Enkelkinder. Pfarrer Andreas Buchholz fährt gern Motorrad und Rennrad. Auch joggt oder läuft er gern. Sein Leitspruch lautet:


Verbum Domini manet in aeternum.

(Das Wort Gottes (wörtlich: des Herrn) bleibt in Ewigkeit). Jesaja 40,8

Pfarrer Andreas Buchholz ist seit dem 01.01.2000 Mitglied des Förderkreises und  des Kuratoriums des Förderkreises. Er hat viel zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche beigetragen. Wesentliche Impulse des Wiederaufbaus der Sankt-Marien-Andreas-Kirche und der Instandsetzung der Lutherkirche sind seinem Engagement zu danken. Am 11.06.2010 feierte er seinen 50. Geburtstag. Aus diesem Anlass gratulierte ihm die Kulturministerin des Landes Brandenburg, Dr. Martina Münch, herzlich und wünschte ihm Gottes Segen.

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Dr. Martina Münch gratuliert Pfarrer Andreas Buchholz zum 50. Geburtstag

Statt Blumen und Geschenke erbat er von seinen Gratulanten eine Spende zum Wiederaufbau der Kreuzgewölbe im Chorraum. Dabei kamen 1.601,50 € zusammen. Am 19.12.2010 bedankte sich der Förderkreis bei dem stellvertretenden Superintendenten und überreichte ihm Stifterbriefe und eine kleines Keramiktäfelchen mit dem Grundriss der Kreuzgewölbe in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche.



Pfarrer Andreas Buchholz
bei einer Predigt
am 24.07.2016
in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche


Pfarrer Andreas Buchholz hält einen Vortrag über den Pfarrer Johann Heinrich August Duncker im Blauen Saal des Kulturzentrums Rathenow am 14.01.2017 anlässlich des 250. Geburtstages des  Begründers der  Optischen Industrie in  Rathenow mit dem Titel :" Der praktische Gläubige - der gläubige Praktiker"


Video-Pfarrer Andreas Buchholz

14.01.2017







© Copyright :  Dr. Heinz-Walter Knackmuß 14.01.2017
 
Kontakt: Pfarrer Andreas Buchholz
               Kirchplatz 10
               14712 Rathenow
               Tel.: 03385-512390
               E-Mail: info@ev-kirche-rathenow.de
               Öffnungszeiten des Gemeindebüros: Mo - Fr  09:00 - 12:00 Uhr
                                                                  und  Di           14:00 - 16:00 Uhr


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Biografien

Biografie von Christa Eißer

von Dr. Heinz-Walter Knackmuß 3. Januar 2011 13:40

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Christa Charlotte Eißer, geborene Neils, wurde am 19.05.1936  in Rathenow, Berliner Straße 8 (heute Buchhandlung Tieke) geboren.  Am 05.07.1936 wurde Christa Eißer von Pfarrer Hubert Feist in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche getauft. Ihr Vater Oskar Otto Waldemar Neils war Steinmetzmeister. Ihre Mutter Gertrud Marie Elsa Neils, geborene Gärtner, war Putzmacherin. Am 18.04.1944 wurde die Wohnung der Familie Neils ausgebombt. Die Werkstatt im ehemaligen Betrieb des Vaters, Rathenow, Friedhofsweg 4, wurde zur Wohnung umgebaut und die Familie lebte vorübergehnd dort, bis am 28.04.1945 diese Wohnung auch durch den russischen Angriff  zerstört wurde. Die Familie wohnte dann in der Fabrikenstraße 10 (heute Wilhelm-Külz-Str. 10), bis der Vater 1954 das Einfamilienhaus am Friedhofsweg 3 baute. Christa Eißer besuchte die 1.- 3. Klasse in der Neuen Schule in Rathenow (Weinbergschule) und musste mit allen Mitschülern und Mitschülerinnen die dritte Klasse in der Geschwister-Scholl-Schule wiederholen, weil durch den Krieg so viel Unterricht ausgefallen war. Hier absolvierte sie die 8. Klasse. Die Reifeprüfung (Abitur) wurde ihr in der DDR (Deutschen Demokratischen Republik) versagt, weil ihr Vater selbstständiger Handwerksmeister war. Am 22.04.1951 wurde sie in der Lutherkirche in Rathenow durch den Superintendenten im Ruhestand Georg Heimerdinger konfirmiert. Ihr Konfirmationsspruch lautete: Nun aber bleibet Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, aber die Liebe ist die grösste unter ihnen (1. Korinther 13,13).
 

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Von 1951- 1954 begann sie bei ihrem Vater und  in Sundhausen bei Gotha ein Lehre als Steinmetz. Sie war das einzige Mädchen in diesem Bereich. Nachdem sie die Lehre erfolgreich abgeschlossen hatte, arbeitete sie als Steinmetzin von 1954 -1955 bei der Firma Stuck- und Naturstein (Stuna) in Berlin. 1955 kehrte sie in den väterlichen Betrieb nach Rathenow zurück und begann im Winterhalbjahr von 1955 -1957 eine Ausbildung an der Meisterschule für Kunsthandwerk in Berlin (West). Am 18.12.1957 legte sie die Meisterprüfung ab. Ihr Meisterstück war der Schlussstein an der Marienkapelle.

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Meisterstück von Christa Eißer
Schlusstein an der Marienkapelle
(18.12.1957)

 

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Meisterbrief von Christa Eißer



Am 09.09.1959 heiratete sie den Bauingenieur Rudolf Edmund Ernst Eißer. Christa und Rudolf Eißer war das erste Paar, das  nach dem Wiederaufbau des Kirchenschiffes in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche getraut wurde. Der Superintendet im Ruhestand Georg Heimerdinger nahm die Trauung vor und überreichte eine Traubibel mit dem Trauspruch: Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, aber die Liebe ist die größte unter ihnen (1. Korinther 13,13). Der Taufstein, der Altar, die Sandsteinstufen zum Altar und zum Chorraum und der Fuß und die Stufen zur Kanzel in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche wurden im Steinmetzbetrieb Oskar Neils angefertigt. Das Geländer der Kanzel wurde von der Firma Stilcke gefertigt und von Christa Eißer vergoldet.

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Eintrag in die Traubibel des Ehepaares Eißer
durch Superintendent i.R. Georg  Heimerdinger


Am 29.01.1962 wurde dem Ehepaar der Sohn Christian und am 26.09.1971 der Sohn Rolf geboren. Der väterliche Betrieb wurde am 01.01.1974 an die Tochter übergeben. 1980 -1990 war Christa Eißer stellvertretende Obermeisterin der Berufsgruppe der Steinmetze des Bezirkes Potsdam. Beide Söhne traten beruflich das mütterliche Erbe an. An 01.09.1978 begann Christian Eißer in Dresden beim VEB (Volkseigenen Betrieb) Elbenaturstein die Steinmetzlehre. Damals wurde die Semperoper gebaut. Das war eine interessante Aufgabe auch für die Lehrlinge. Nach dem Abschluss der Lehre arbeitete er für den gleichen Betrieb am Berliner Dom. Er besuchte dann die Meisterschule in Demitz-Thumitz und legte am 07.10.1985 seine Meisterprüfung ab. Sein Meisterstück war der Taufstein in der Lutherkirche in Rathenow.
Am 01.09.1987 begann Rolf Eißer ebenfalls in Dresden beim VEB (Volkseigenen Betrieb) Elbenaturstein die Steinmetzlehre. In dieser Zeit wurden Arbeiten an den Brühlschen Terrassen, dem Johanneum (Verkehrsmuseum in Dresden) und nach der Lehre Arbeiten beim Wiederaufbau des Dresdener Schlosses, am Schloss Amalienborg in Kopenhagen und in Italien durchgeführt, bei denen er mitwirkte. Er besuchte dann die Meisterschule in Königslutter und legte am 19.02.1998 seine Meisterprüfung ab. Seine Meisterstücke waren Teile des Kranzgesimses für die Frauenkirche in Dresden.
Am 01.04.1997 übergab Christa Eißer den Betrieb an ihre Söhne. Der Betrieb nennt sich nun.

 

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Neils/Stein
Inhaber Gebrüder Eißer GbR
(Gesellschaft bürgerlichen Rechts)
Steinmetzmeister
Mitglied der Steinmetzinnung Brandenburg
14712 Rathenow- Heidefeld, Milower Landstraße 14 a,
Tel.: 03385-515770
14712 Rathenow, Friedhofsweg 4, Tel.:03385-547010

 

 

 

Zur Landesgartenschau in Rathenow im Jahre 2006 hat sie neben dem Torhaus eine Ausstellung von alten Grabdenkmalen eröffnet, die einen guten Einblick in die Stadtgeschichte gibt.

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Kunststein mit Glasplatte

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Goldarbeiter nannte man die Arbeiter in der
Optik, die Brillenfassungen aus Gold herstellten
 

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Hornarbeiter nannte man die Arbeiter in der Optik,
die Brillenfassungen aus dem Hornpanzer der Karettschildkröte
(Schildpatt) herstellten
 

IMG_ausstellung-eisser-3Gusseisernes Kreuz 
  
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Schmiedeeiserne Grabumzäunung
restauriert von der Firma Stilcke


 
Christa Eißer ist zwar offiziell im Ruhestand, aber sie ist doch noch häufig im Steinmetzbetrieb anzutreffen. Ihre besondere Zuwendung gilt ihren beiden Hunden einem Airdale-Terrier und einem Welsch-Terrier, mit denen sie ausgedehnte Spaziergänge unternimmt. Ihre zweite Leidenschaft ist das Rudern. Sie ist Frauenruderwart im Rathenower Ruderklub Wiking.
Am 10.02.1997 trat sie dem Förderkreis zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow e.V. bei, weil sie ihr Leben lang am Wiederaufbau dieser Kirche mitgewirkt hatte, in ihr getauft und getraut  worden war und nun neue Möglichkeiten des Wiederaufbaus sichtbar wurden. Als 1999 der Wiederaufbau des Turms der Sankt-Marien-Andreas-Kirche begann,  war die Firma  "Neils-Stein GbR" für die Sanierung des Kranzgesimses am Turmstumpf und für die Herstellung des Kranzgesimses aus rotem Sandstein für den neu erbauten Turmteil im Jahr 2001 verantwortlich. Am 13.06.2016 verstarb ihr Mann Rudolf Eißer  (*01.09.1930 - 13.06.2016) nach kurzer schwerer Krankheit.

 

Friedhofsführungen 

Christa Eißer ist Mitglied im Gemeindekirchenrat und im Friedhofsausschuss. Sie hat die von dem Friedhofsinspektor, Ernst Weinhold, begonnen Friedhofschronik fortgesetzt und macht regelmäßig interessante Führungen über den Friedhof in Rathenow. Die Friedhofsführungen dauern etwa 2 1/2 Stunden und erfreuen sich regen Zuspruchs. Sie ist Mitglied im Verein Memento e.V.
 
© Copyright : Dr. Heinz-Walter Knackmuß (19.06.2016)

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Biografien

Biografie der Bischöfin Rosemarie Köhn

von Dr. Heinz-Walter Knackmuß 3. Januar 2011 09:17

 


  

Norske

Die erste  weibliche Bischöfin Norwegens, Rosemarie Köhn, wurde am 20.10.1939 in Rathenow (heute Kreisstadt des Landkreises Havelland/Bundesland Brandenburg) in Deutschland geboren. Rathenow liegt etwa 80 km westlich von Berlin und nennt sich selbst  "Stadt der Optik", weil der Pfarrer Johann Heinrich August Duncker mit dem königlichen Patent von 1801 für die Bearbeitung von Gläsern mit einer Vielschleifmaschine die Grundlagen einer optischen Industrie gelegt hat. Die Sankt-Marien-Andreas-Kirche, an der auch Johann Heinrich August Duncker gewirkt hat, wurde am 28.04.1945, also in den letzten Kriegstagen, von Brandgranaten getroffen und brannte völlig aus. Der Vater von Rosemarie Köhn, Karl Max Willy Köhn (*18.08.1909 in Rathenow – † 1967 in Hamm), war Optiker in Rathenow und reiste nach Skandinavien, um optische Geräte zu verkaufen. Die Mutter von Rosemarie Köhn, Eva Mathilde Sörlle (*04.05.1918 in Meraker – †27.02.2011in Drøbak ), sprach sehr gut Deutsch und arbeitete im Hotel, als sie sich in den deutschen Optiker verliebte. Die Hochzeit fand am 04.03.1939 im Nidarosdom in Trondheim statt.

 

clip_image001Nidarosdom in Trondheim 

 
Altes Bauernhaus im
Freilichtmuseum Trondheim

Video

Nach der Heirat ging die Mutter nach Rathenow, wo Rosemarie dann am 20.10.1939 geboren wurde und bis 1946 aufwuchs. Sie wurde in Rathenow  eingeschult und wohnte in der Fehrbelliner Str. 14, in der Heinrich-Heine-Str. 60 und in der Röntgenstr.1 A.

clip_image002Wohnhaus des Vaters in Rathenow, 
Fehrbelliner Straße 18

clip_image003Wohnhaus von Rudi Pietsch
Rathenow, Heinrich-Heine-Str. 60
Familie Köhn wohnte dort zur Miete

clip_image004Rathenow, Röntgenstr. 1A
Hier wohnte die Familie Köhn kurze Zeit

Da der Vater nach dem Krieg in amerikanischer Gefangenschaft festsaß, ging Rosemarie Köhn ging nach dem Krieg (1939 -1945) mit ihrer norwegischen Mutter 1946 nach Gjerdum, in der Nähe von Oslo.  Die Reise ging über ein Lager in Kleinmachnow in ein anderes Lager nach Hamburg und von dort mit einem Rotkreuzdampfer nach Oslo. Es war kurz vor Weihnachten als das Schiff durch den Fjord in Oslo anlangte und die kleine Rosemarie war von den vielen Lichtern, die dort von beiden Ufern leuchteten, fasziniert. In Deutschland musste ja während des Krieges alles verdunkelt werden. Die Mutter musste sich nach den damaligen Gesetzen in Norwegen von ihrem deutschen Mann trennen, sonst hätte sie keine Einreiseerlaubnis erhalten. Die Fronten zwischen Norwegern und Deutschen waren nach den Krieg aus verständlichen Gründen ziemlich verhärtet. Die Mutter hatte mit ihr nur Deutsch gesprochen und als man in Norwegen war und Rosemarie mit ihrer Mutter erzählen wollte, wurde ihr bedeutet, dass das nicht mehr ginge. Die deutsche Sprache war nach dem Krieg tabu und so musste das kleine Mädchen sehr schnell Norwegisch lernen. Nach der Schule studierte sie in Oslo Theologie und bestand 1966 das Staatsexamen als Theologin an der Universität Oslo. 1969 wurde sie vom Bischof Per Lonning zur Pfarrerin ordiniert. Danach war sie jahrelang Dozentin für Geschichte der Religion und religiöse Bildung an der Universität Oslo und verfasste 1971 eine hebräische Grammatik. Ihr Forschungsgebiet war die Prophetie.  Von 1993 - 2006 bekleidete sie als erste Frau in Norwegen das Amt einer Bischöfin von Hamar in der Norwegischen Staatskirche. König Harald V. von Norwegen ernannte sie zur Bischöfin  und lange Zeit war sie die einzige Frau in der Bischofskonferenz, an der der König und die Königin teilnahmen. In den Pausen bat sie die Königin Sonja in ihre Privatgemächer, denn sie beide waren ja in dieser Männerrunde die einzigen Frauen, was ein herzliche Bindung schaffte.

clip_image005Domkirche in Hamar

Die Königliche Bischöfin Rosemarie Köhn ist bekannt für ihre Toleranz. Als eine Pastorin, die lesbisch war, im Jahre 1999 auch noch ihre Partnerin heiratete, entzog die Synode ihr das Recht zu predigen. Darüber empörte sich die Bischöfin Rosemarie Köhn. Da in Norwegen gleichgeschlechtliche Ehen gesetzlich anerkannt sind, handele es sich um eine berufliche Diskriminierung, wenn Pastorinnen dieses Recht verweigert würde. Die Bischöfin setzte sich über alle Widerstände in der Kirche hinweg, und gewährte der Pastorin das Recht zu predigen. Im Herbst 2002 ordinierte sie zum ersten Mal in der Landeskirche Norwegens einen homophilen Pfarrer. (Ordination: Einsetzung eines Geistlichen in sein Amt).  Die Bischöfin Rosemarie Köhn arbeitete 2003 an der Frage des Rechts der Homophilen beziehungsweise der Lesben auf Kinderadoption. Die Bischöfin trägt die Verantwortung für die liberalen Traditionen der Toleranz im Bistum Hamar mit liebevoller Würde. Sie erhielt für ihre Verdienste als Bischöfin von Hamar 2004 den Sankt-Olav-Orden vom norwegischen König.

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Bischöfin Rosemarie Köhn 
mit dem
Sankt-Olav-Orden

Neben den Aufgaben als Bischöfin hat sie sich immer auch für Verkehrssicherheit und die Flüchtlingspolitik engagiert. Sie ist eine klare Befürworterin der Europäischen Union. Norwegen hatte 1994 in einer Volksabstimmung mit "Nein" votiert. " Ich finde, Norwegen sollte Mitglied werden. Es wird zu widersprüchlich, die Früchte der Erfolge der EU zu genießen, gleichzeitig aber keinen Einfluss ausüben zu können", sagt die Bischöfin. Sie ist sich dabei durchaus darüber im Klaren, dass sie in ihrem von Landwirtschaft geprägtem Bistum dafür viel kritisiert werden wird.

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Bischöfin Köhn mit der königlichen Familie
(von links: Königin Sonja von Norwegen, König Harald V. von Norwegen, Bischöfin Rosemarie Köhn und Bischof Andreas Aarflot)

Das Bistum Hamar wurde im Jahre 1153 durch den Kardinal Nikolaus Breakspere aus England, später Papst Hadrian IV., errichtet. In der Reformation wurde Bischof Mogens 1536 als Gefangener nach Dänemark gebracht. Seitdem ist der König das Oberhaupt der Kirche. Im Jahre 1567 wurde im Nordischen Krieg der Dom von Hamar durch schwedische Soldaten gesprengt. Heute sind die Reste der Ruine unter Glas zu bewundern. 327 Jahre lang gehörte Hamar zum Bistum Oslo. Die gemeinsame Domkirche war die "Var Frelsers Kirke" in Oslo. 1864 wurde Halvor Folkestad der erste protestantische Bischof von Hamar. Das Bistum Hamar umfasst fast vollständig die Fylker Hedmark und Oppland in Ostnorwegen. Es hat 370.000 Einwohner, die zu 90% der lutherischen Staatskirche angehören. Im Bistum gibt es 210 Kirchen, 40 Pastorinnen und 90 Pastoren.

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Rentiere überqueren eine Straße


Am 06.11.2009 trat sie dem Förderkreis zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow e.V. bei, weil sie den Wiederaufbau des im zweiten Weltkrieg schwer zerstörten Gotteshauses ihrer Geburtsstadt unterstützen wollte.
Am 26.01.2011 besuchte sie die Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow und war zu Tränen gerührt, als sie den Wiederaufbau der Sterngewölbe im Kirchenschiff bewundern durfte.

clip_image009Bischöfin Rosemarie Köhn mit Pfarrer Andreas Buchholz
vor der Sankt-Marien-Andreas-Kirche
in Rathenow

Anschließend trug sie sich in das Ehrenbuch der Stadt Rathenow ein. Sie berichtete, dass sie die Sankt-Marien-Andreas-Kirche brennend erlebt hat und dass ihre Mutter zu ihr sagte, dass nun auch die Hoffnung verschwunden wäre. Um so mehr freut sie sich jetzt, dass die Kirche mit dem Turm und den Sterngewölben wieder aufgebaut worden ist. Sie war den Tränen nahe, denn wenn sie an die Worte ihrer Mutter denkt, so kann sie heute sagen: “Die Hoffnung ist zurückgekehrt”. Der Bürgermeister würdigte das Wirken der Bischöfin in Norwegen.  Da sie eine gebürtige Rathenowerin sei, trage das auch zur Ehre ihrer Heimatstadt bei. Bischöfin Rosemarie Köhn berichtete, dass sie Theologie studiert habe, weil sie ein neugieriger Mensch sei. Sie wollte wissen, “was die Welt im Innersten zusammenhält”, um mit Goethe zu sprechen. Sie hat früh Hebräisch gelernt und fand die Sprache eine einfache alte Sprache, die sie aber leicht begreifen konnte. Als Professorin für praktische Theologie an der Universität Oslo hat sie eine Grammatik der Hebräischen Sprache geschrieben, die die Studenten in ganz Skandinavien dankend annahmen. Viele Theologen berichteten ihr später, dass sie durch ihre ganz logisch aufgebaute Grammatik erst das schwierige Staatsexamen in Hebräisch bestanden haben.

clip_image010Rosemarie Köhn trägt sich am 26.01.2011 ins Ehrenbuch der Stadt Rathenow ein
(von links:
Bürgermeister Ronald Seeger,  Bischöfin Rosemarie Köhn, Theologin Susanne Sönderbø, Roland Schmidt vom Westhavelland-TV)

clip_image011Eintrag im Ehrenbuch der Stadt Rathenow

Heute lebt die Bischöfin in Hamar. Wenn  sie eine Reise durch das Land macht, schlägt ihr immer noch eine breite Sympathiewelle der Menschen entgegen. Sie war nicht nur die erste Frau in Skandinavien im Bischofsamt. Sie hat durch ihre unkonventionelle moderne Art der Verkündigung viele Randgruppen der Kirche wieder in die norwegische Staatskirche eingebunden. Die Menschen verehren sie bis auf den heutigen Tag.

 

 

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1.
Die mittelalterlichen Ruinen der Kathedrale von Hamar

 

 

2. Königin Sonja von Norwegen

 

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3. Besuch bei der Bischöfin in Hamar vom 28.07.20011 – 01.08.
2011

 

4. Besuch der Bischöfin Rosemarie Köhn  in Rathenow (06.04.-08.04.2012)
Die Bischöfin Rosemarie Köhn wohnte bei ihrem Besuch in Rathenow in der Röntgenstraße 13, quasi in ihrer alten heimatlichen Straße in einem Wohnmobil.
www.fewo-rathenow.eu

Rundgang-1 Video

Rundgang-2 Video

5. Besuch der Bischöfin a. D. Rosemarie Köhn in Rathenow (23.04.-27.04.2014)

clip_image002Die königliche Bischöfin a. D. Rosemarie Köhn
in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche
mit einem Kreuzgewölbegrundrissstein

Die Bischöfin a.D. Rosemarie Köhn aus Hamar in Norwegen besuchte vom 23.04. -27.04.2014 ihre Geburtsstadt Rathenow und ließ es sich nicht nehmen, ihrer Taufkirche am 24.04.2014 einen Besuch abzustatten. Sie ist ein engagiertes Mitglied des Förderkreises zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow e. V. und hat in ihrer ersten Predigt als Bischöfin von Hamar im Jahr 1993 auf die zerstörte Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow Bezug genommen. Damals wuchsen Bäume aus dem in Schutt und Asche gelegten Chorraum. Das Kirchenschiff war einfach zum Chorraum hin zugemauert worden und das Allerheiligste als Ruine belassen worden. Aber das Grün dieser Bäume war für die Bischöfin ein Zeichen von Hoffnung, dass das Gotteshaus wieder aufgebaut werden könnte und so ist es ja auch gekommen. 1995 war der Chorraum wieder mit einem Dach versehen worden. Die schadhaften Wände waren wieder aufgemauert worden und die Wand zum Kirchenschiff wurde entfernt. Es fehlen jetzt nur noch die drei Kreuzgewölbe im Chorraum, für deren Wiederaufbau sich auch die Bischöfin a. D. einsetzt.


clip_image002[1]Die Bischöfin a. D. Rosemarie Köhn
in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche

Die weltberühmte Königliche Bischöfin a.D. Rosemarie Köhn aus Hamar in Norwegen besuchte vom 23.04. -27.04.2014 ihre Geburtsstadt Rathenow. Sie war von 1993 -2006 als Königliche Bischöfin von Hamar in der Norwegischen Staatskirche tätig und hat damit Kirchengeschichte geschrieben, denn sie war seit Bestehen der christlichen Kirchen die zweite Frau im Bischofsamt. Mit Susanne Sonderbø besuchte sie am 24.04.2014 die Sankt-Marien-Andreas-Kirche, um deren Wiederaufbau sie sich sehr bemüht. Ein Bild von Helmut Neitzel in der am 20.04.2014 eröffneten Gemäldeausstellung „ Gott und die Welt“ hatte es ihr besonders angetan und sie kaufte es sofort, um ihm in ihrer kleinen Wohnung in Hamar einen Ehrenplatz zu geben. Das Grün der Bäume symbolisiert für die Bischöfin immer die Hoffnung. Aus dem im Zweiten Weltkrieg schwer zerstörten Rathenow mit ihrer norwegischen Mutter in Oslo angekommen, war für sie die Erinnerung an ihre ersten Kindheitsjahre in Rathenow immer präsent. Jetzt, wo sie im Alter den Wiederaufbau ihrer Taufkirche unterstützen kann, macht es ihr große Freude, zu sehen, wie das Gotteshaus wieder zum Lobe Gottes aufgebaut wird. Vielleicht wird sie eines Tages die zweite Ehrenbürgerin der Stadt Rathenow nach Erika Guthjahr, aber Gottes Mühlen malen langsam, wie der Volksmund mit Recht sagt.


Besuch in Rathenow vom 17.04.2017 -  21.04.2017

Bischöfin a. D. Rosemarie Köhn und Susanne Sonderbo  aus Hamar in Norwegen besuchten vom 17.04.2017 - 21.04.2017 die Geburtsstadt der Bischöfin Rathenow. Rosemarie Köhn erfüllte sich dabei einen Kindheitstraum und suchte im Garten in der Röntgenstr. 13 in Rathenow bute Ostereier und andere Ostersachen. Es war eine große Freude für sie


                                                                                  Video




Von links: Viola Knackmuß, Dr. Heinz-Walter Knackmuß (im Gewand des Bischofs Bodecker), Bischöfin Rosemarie Köhn, Landrat Roger Lewandowski, Susanne Sonderbo

 

Am 05.11.2009 feierte ich meinen 65. Geburtstag und hatte viele Gäste dazu eingeladen. Die Kreuzgewölbe im Mittelschiff wurden gerade aufgebaut und ich zeigte meinen Gästen aus Nordrhein-Westfalen am 06.11.2009 in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche, wie die Technik des Rippenaufbaus funktionierte, als zwei Frauen in die Kirche schlüpften und interessiert zuhörten. Susanne Sonderbo sagte: “Wir kommen aus Norwegen.“ Und ich fragte ihre Begleiterin, die Bischöfin Rosemarie Köhn: „Sprechen Sie Deutsch?“ „Wenig,“ meinte sie, „aber ich verstehe alles.“ Dann fragte ich die Bischöfin: „Wollen Sie Mitglied im Förderkreis werden?“ Und zu meiner großen Überraschung antwortete sie: “Ja,“ und füllte sofort mit feiner Handschrift den Aufnahmeantrag aus. Seitdem ist Rosemarie Köhn Mitglied im Förderkreis zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow e. V. und trägt seit acht Jahre mit den anderen Mitgliedern die Last des Wiederaufbaus mit großer Begeisterung. Die 77-jährige Bischöfin ist heute von vielen Altersleiden geplagt, und es ist eine besondere Herausforderung für sie, sich auf den weiten Weg nach Rathenow zu machen. Auch wenn sie mit Susanne Sonderbo im eigenen Wohnmobil reist, bleibt es eine Reise, die immer wieder von Pausen zur Erholung von Körper und Seele unterbrochen werden muss.

Die Bischöfin Rosemarie Köhn aus dem norwegischen Hamar besuchte mit Susanne Sonderbo vom Ostermontag (17.04.2017) bis zum 21.04.2017 ihre Geburtsstadt Rathenow. Viele Kindheitserinnerungen verbinden sich mit ihrer Heimatstadt zum Beispiel wie sie als Kind Ostereier in Rathenow gesammelt hat. So war es ihr eine besondere Freude im Garten in der Röntgenstraße 13 noch einmal in ihrem Alter auf die Suche nach Ostereiern gehen zu dürfen. Sie und Susanne Sonderbo waren am 18.04.2017 natürlich in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche. Als die Bischöfin nach 1990 das erste Mal wieder in Rathenow war, sah sie die großen grünen Bäume im verwüsteten Chorraum der Kirche und sagte: „Gott schenkt der Stadt wieder neue Hoffnung. Man sieht es am Grün der Bäume.“ Diese Hoffnung, die sie beim Anblick des Grüns der Bäume in der vom Zweiten Weltkrieg so schwer zerstörten Kirche verband, war dann das Leitthema ihrer Predigt in Hamar, als sie 1993 ins Bischofsamt berufen wurde. Alle Zuhörer, auch der König Harald V. und seine Gemahlin die Königin Sonja, meinten, das sei einer ihrer besten Predigten gewesen. Am Mittwoch den 19.04.2017 empfing sie der Landrat des Landkreises Havelland, Roger Lewandowski, zu einem Gespräch und zu einem Fototermin. Der Landrat hat sich zu Ehren der Bischöfin extra eine lila Krawatte umgebunden. Er empfing die Bischöfin am Eingang der Kreisverwaltung und geleitete sie nach dem Fototermin am Arm in seine Amtsräume, wo ein kurzes Gespräch über das Schicksal der Bischöfin geführt wurde. Anschließend begleitete der Landrat die Bischöfin bis vor das Portal der Kreisverwaltung und verabschiedete sich von ihr. Es gab in der über 800jährigen schriftlich überlieferten Geschichte nur zwei Bischöfe, die in Rathenow geboren wurden, der Bischof von Brandenburg, Dr. Stephan Bodecker (*15.11.1384 -15.02.1459) und die Bischöfin von Hamar, Rosemarie Köhn (*20.10.1939). Die Rathenower Luft scheint für das Hebräisch besonders geeignet zu sein, denn der Bischof Bodecker sprach sehr gut Hebräisch und hatte auch ein hebräisches Lexikon herausgegeben. Er sammelte viele hebräische Schriften und setzte sich sehr für die damals entrechteten Juden ein. Die Bischöfin Rosemarie Köhn hat eine hebräische Grammatik herausgegeben, nach der alle Theologiestudenten in ganz Skandinavien lernten. Zu mir sagte sie einmal: “Das Hebräisch ist eine einfache Sprache.“ Die Grundregeln hätte sie sofort begriffen.  Rosemarie Köhn war die zweite Frau weltweit und die erste Frau in Norwegen, die das hohe kirchliche Amt einer Bischöfin bekleidete. Wegen der geschichtlichen Bedeutung der Bischöfin Rosemarie Köhn vermag man es kaum glauben, dass es in der Stadtverordnetenversammlung von Rathenow Abgeordnete gibt, die sich bei dem Votum für eine Ehrenbürgerschaft auf das Argument beschränken: „Was hat die Frau für die Stadt Rathenow getan?“ Wenn diese Frage von Atheisten käme, würde das jeder begreifen. Aber wenn eine engagierte Christin in so herausragender Position zu Disposition steht, ist das schwer nachvollziehbar. Aber wie schon Martin Luther vor 500 Jahren trefflich übersetzt hat: „Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht begriffen (Johannes 1,5).“ 

Die Bischöfin hat bei ihrem Besuch besonders die Stätten sehen wollen, wo sie als Kind gewohnt hat, in der Heinrich-Heine-Straße und in der Röntgenstraße und das Haus ihres Vaters Willy Köhn, der in der Fehrbelliner Straße gewohnt hat. Daneben ist sie immer wieder vom Havelland begeistert und machte eine Tour nach Semlin, Ferchesar, Lochow und Stechow. Die Dorfkirchen in der Umgebung von Rathenow haben ja ihren eigenen Charme und die Bischöfin hat sich besonders gefreut, als sie in Ferchesar das Baugerüst um den Kirchturm sah. Auch für diese kleine Kirche keimt damit wieder Hoffnung. Am Dienstag, den 18.04.2017 waren wir beim Förderkreismitglied Michael Schönberg in seinem Restaurant „Zum Alten Hafen“ zum Abendessen eingeladen. Das Essen war großartig und der Blick auf die im Abendlicht leuchtende Kirche hat die Bischöfin tief bewegt.

 


                                                       Michael Schönberg mit der Bischöfin Rosemarie Köhn                                                    
in seinem Restaurant „ Zum Alten Hafen"

Am 20.04.2017 besuchte ide Bischöfin Rosemarie Köhn mit Susanne Sonderbo Ribbeck und bestaunte den legendären Birnbaum auf dem Friedhof und den Birnengarten vor dem Schloss Ribbeck, wo alle Bundesländer in Deutschland einen Birnbaum gepflanzt haben. Natürlich trug sich die Bischöfin in das Gäsebuch in der Ribbecker Kirche ein.



Bischöfin Rosemarie Köhn und Susanne Sonderbo
aus Hamar (Norwegen) unter dem Birnbaum
Dann ging es am 20.04.2017 weiter nach Stölln, wo die Bischöfin Rosemarie Köhn und Susanne Sonderbo den Film von der Landung der IL 62 ansahen und sich die Bischöfin wieder in das Gästebuch eintrug.


Bischöfin Rosemarie Köhn vor der IL 62 in Stölln

Ich habe mich sehr gefreut, dass sie ihre Geburtsstadt Rathenow im Lutherjubiläumsjahr 2017 besucht hat und wünsche ihr, dass sie gesund wieder in Hamar anlangen möge.



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