Touristen spendeten Säulensteine 19.09.2017-1

von Dr. Heinz-Walter Knackmuß 20. September 2017 17:09
Touristen aus Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen-Anhalt besuchten am 19.09.2017 die Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow. Sie ließen sich die wechselvolle Geschichte des Gotteshauses erklären und den ungeheuren Willen der Sankt-Marien-Andreas-Gemeinde, ihre Kirche nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg zum Lobe Gottes wiederaufzubauen. Sie ließen sich die Bedeutung der Chorfenster erläutern und hörten sich die Geschichte des  Gotischen Marienaltars an. Zum Schluss wurde noch der Wiederaufbau der Kreuzgewölbe im Mittelschiff dargestellt. Die Besucher spendeten die Säulensteine Nr. 11350 -11356 für den Wiederaufbau der Kreuzgewölbe im Chorraum. Der Förderkreis bedankte sich für die Spende.

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Besuch der Sankt-Marien-Andreas-Gemeinde in Elimäki

von Dr. Heinz-Walter Knackmuß 13. September 2017 18:09


Eine kleine Abordnung aus Rathenow im Gemeindezentrum von Elimäki


(von links: Kantor Kaarel Kollo, Samira Buchholz, Viola Knackmuß, Dr. Heinz-Walter Knackmuß, Magdalena Buchholz, Pfarrer Andreas Buchholz und Pfarrerin Kirsi Hämäläinen)


Die Gemeinde Elimäki liegt 100 km östlich von Helsinki und gehört seit 2009 zur Stadt Kouvola. Elimäki hat 8199 Einwohner. 7000 Menschen gehören zur Evangelischen Kirche von Elimäki, die sich in der ältesten Holzkirche von Finnland zum Gottesdienst versammeln. Neben der Holzkirche befindet sich ein separater Glockenturm und das neu errichtete Gemeindezentrum. Zum 500jährigen Jubiläum der Reformation durch Martin Luther entstand der Wunsch 2017 in der Gemeinde Elimäki eine Kirchenpartnerschaft mit Deutschland aufzubauen. Der Kantor Kaarel Kollo aus Elimäki ist befreundet mit dem dort ansässigen Unternehmer Peter Voecks, der wiederum mit Uwe Liebert aus Rathenow befreundet ist. So kam es 2017 zu einer Anfrage der Geschäftsführenden Pfarrerin Kirsi Hämäläinen aus Elimäki, ob die Sankt-Marien-Andreas-Gemeinde nicht bereit wäre, eine Kirchenpartnerschaft mit Elimäki aufzubauen. Nachdem der Gemeindekirchenrat seine Zustimmung gegeben hatte, flogen Pfarrer Andreas Buchholz und seine Frau Magdalena und seine Tochter Samira sowie Dr. Heinz-Walter Knackmuß mit seiner Frau Viola mit der am Samstag, den 09.09.2017, von Berlin-Tegel nach Helsinki-Vantaa.




Magdalena und Pfarrer Andreas Buchholz im Flugzeug



Ein wunderschöner Flughafen mit besonderem Flair, der schon viele Preise wegen seiner Architektur bekommen hat. Kantor Kaarel Kollo empfing die kleine Gemeindegruppe am Flughafen und fuhr mit den Rathenowern nach Elimäki, wo die Pfarrerin Kirsi Hämäläinen in der alten Kreuzkirche mit etlichen Gemeindemitgliedern die Gäste begrüßte. Es wurde ein Kirchenlied gesungen und Kantor Kaarel Kollo spielte zwei Stücke von Bach und Schubert auf dem Klavier zur Freude alle Zuhörer.  Pfarrerin Kirsi Hämäläinen berichtete mit Stolz, dass in Elimäki eine an Kunstwerken reiche Kirche zu bewundern ist. Der Altar, der von einem geschnitzten Lettner vom Gemeinderaum getrennt ist, hat eine halbrunde Kniebank, wo die Christen zum Abendmahl knien können. Sie hat auch eine geschnitzte Kanzel.



Pfarrerin Kirsi Hämäläinen
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Die Evangelische Kirche in Finnland ist eine Staatskirche. Die Kirchensteuern von den Christen werden wie in Deutschland vom Staat eingezogen. Die Kirche hatte eine Dreifachverglasung aller Fenster wie die meisten Häuser auch und zwischen den Fensterscheiben ist 20-30 cm Zwischenraum, denn im Winter sinken die Temperaturen bis auf -20 bis -30 Grad Celsisus. In Elimäki gibt es eine Deutsch-Finnische Gesellschaft mit 80 Mitgliedern und so sprachen einige Menschen gut Deutsch. Viele Gemeindemitglieder gehören diesem Verein an und haben schon länger intensiven Kontakt mit Deutschland.


                         Kantor Kaarel Kollo                               
Video Nr. 1


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Wir wohnten im Haus von Ulla Villa. Ulla Villa ist Lehrerin und hatte ihr Haus mit dem schönen Birkenparkett und einer Sauna komplett den Gästen aus Rathenow überlassen und wohnte während unseres Besuches bei ihrem Lebensgefährten John Shuttleworth.



Ulla Villa und John Shuttleworth
auf dem Weg zum Gottesdienst


Ulla Villa sprach sehr gut Deutsch und übersetzte auch die Predigt von Pfarrer Buchholz ins Finnische. Es gibt zwei Amtssprachen in Finnland: Finnisch und Schwedisch und in Lappland gibt es noch Samisch mit eigenen Schulen für die Samen. Das finnische Schulsystem beginnt mit einem freiwilligen Vorschuljahr und wird dann als verbindliches Schulsystem von der 1.-9. Klasse geführt. Wer möchte kann auch zu einer weitergehenden Schule gehen und mit der 12. Klasse das Abitur ablegen. Das Schulsystem in Finnland hat sich sehr an das DDR-Schulsystem orientiert und gilt heute als eins der besten Schulsysteme der Welt. Nach der Begrüßung wurden die Gäste aus Rathenow ins „Arboretum Mustila“ geführt und dort gab es in dem kleinen Restaurant eine Süßkartoffelsuppe und Kaffee und Gebäck.


Weg durch das Arboretum




Ein Forstmeister erzählte in gutem Deutsch über die weltweiten Kontakte des Arboretums zur Erforschung des Verhaltens der Pflanzen in dieser Klimazone. Es erfolgt ein internationaler Samenaustausch. Besonders werden Alpenrosen (Rhododendron) beobachtet. Eine kleine Rhododendronart wächst nur in Lappland und nicht in Elimäki, wobei man bisher nicht weiß, warum? Dann findet man in dem Park viele sibirische Kiefern, die noch gepflanzt wurden, als Finnland zum zaristischen Russland gehörte. Unter selten Pflanzen ist eine kleine Code-Tafel angebracht, von der man mit einem Smartphone die Beschreibung der Pflanze in Finnisch, Schwedisch, Russisch und Englisch abrufen kann. Es hatte seit unser Ankunft in Helsinki geregnet und der Regen wurde immer stärker, sodass der Forstmeister mit uns nur einen kleinen Rundgang durch sein Reich unternehmen konnte. Nach einer Verschnaufpause wurden die Gruppe zum „Gutshof Moisio“ gefahren. Der “ Gutshof Moisio“ hat ein kleines Restaurant, wo Gastgeber und Gäste an einem finnischen Büfett Speisen kosten konnten. Ein „Rotebeeteauflauf“ war besonders lecker. Dann wurden Kunstwerke einer aktuellen Ausstellung bei einem Rundgang durch das klassizistische Gebäude gezeigt und viel über die Geschichte des Gutshofes berichtet.
Am Sonntag, den 10.09.2017, hielt Pfarrer Andreas Buchholz, um 10:00 Uhr die Predigt im Abendmahlsgottesdienst von der geschnitzten Kanzel, wobei Ulla Villa Abschnitt für Abschnitt ins Finnische übersetzte. Der vorgeschriebene Predigttext in Finnland ist etwas anders als in Deutschland und befasste sich mit der Feindesliebe (Matthäus 5,43-48). Pfarrer Andreas Buchholz schlug dabei einen weiten Bogen von der Reformation über die Deutsche Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg mit der russischen Besatzung und der 45jährigen kommunistischen Herrschaft in Ostdeutschland bis zur persönlichen Feindschaft der Menschen untereinander, wo Jesus Christus mit seiner Aufforderung zur Feindesliebe einen Kreis sprengt, in dem die Menschen sonst gefangen wären.




Pfarrer Andreas Buchholz und Ulla Villa
bei der Predigt am 10.09.2017
in Elimäki




Der Chor sang unter Leitung von Kaarel Kollo und die Gläubigen knieten in der gepolsterten Rundung vor dem Altar und erhielten von der finnischen Pfarrerin Chaplain Tuula Ylikangas Brot und von Pfarrer Andreas Buchholz den Wein. Das Brot war ein rundes Brot, aus dem die Pfarrerin immer kleine Stücke herausbrach. Der Wein wurde in Minikelchen gereicht.


Abendmahl in der Kirche von Elimäki


Nach dem Gottesdienst ging es ins Gemeindehaus zum Kaffee und Erzählen und dann folgte ein kleines Grußwort an die Gemeinde in Elimäki, die wieder von Ulla Villa übersetzt wurde.

Das Grußwort enthielt eine Einladung an die Gemeinde in Elimäki 2018 die Sankt-Marien-Andreas-Gemeinde in Rathenow zu besuchen. Pfarrerin Kirsi Hämäläinen überreichte den Gästen ein Buch über Elimäki und eine Schachtel finnisches Konfekt sowie eine kleine Holztafel mit einem Rentierfellbüschel, die als Wettervorhersage in Lappland benutzt wird:

Das Wetter in Lappland

Wenn das Rentierfell nass ist, regnet es.

Wenn das Rentierfell trocken ist, ist schönes Wetter.

Wenn das Rentierfell in Bewegung ist, weht es.

Wenn es nicht in Bewegung ist, ist es windstill.

Wenn das Rentierfell weiß ist, ist die Temperatur unter Null.

Chor von Elimäki sang ein Lied  "Sommer in Kangasalla" von Gabriel Linsen
unter der Leitung von Kantor Kaarel Kollo
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Danach mahnte Pfarrerin Kirsi Hämäläinen zum Aufbruch und die Rathenower fuhren mit einem Abstecher zur Felsenkirche in Helsinki zum Flughafen und flogen zurück nach Berlin-Tegel.
Ein Blick über die Landesgrenzen weitet die Glaubenserfahrung für alle Christen. Wir hoffen, dass der erste Kontakt mit der Gemeinde in Elimäki für beide Kirchengemeinden zu einer bleibenden Partnerschaft werden wird und danken allen Gemeindemitgliedern in Elimäki für die herzliche Aufnahme.

Einladung


der Gemeinde von Elimäki nach Rathenow

© Copyright : Dr. Heinz-Walter Knackmuß 11.09.2017


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Einladung der Gemeinde von Elimäki nach Rathenow

von Dr. Heinz-Walter Knackmuß 13. September 2017 17:00


Liebe Frau Pfarrerin Kirsi Hämäläinen, lieber Herr Kantor Kaarel Kollo, lieber Herr Peter Voecks, liebe Frau Ulla Villa, liebe Gemeindemitglieder in Elimäki,
wir bringe Ihnen herzliche Grüße der Sankt-Marien-Andreas-Gemeinde in Rathenow.
2017 feiern wir 500 Jahre Reformation in Deutschland. Aus diesem Anlass fand ein großer Evangelischer Kirchentag in Berlin und Wittenberg in diesem Jahr statt, bei dem auch die Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und der ehemalige Präsident der USA, Barack Obama, auftraten. Am 31.Oktober 1517 hat Martin Luther mit dem Anschlag der 95 Thesen an die Schlosskirche in Wittenberg die Reformation eingeleitet. Für viele Menschen war es eine Befreiung von Unwissenheit und Glaubensnot. Mit seiner Übersetzung der Bibel hat Martin Luther für die Deutschen eine Sprache geschaffen und auch den des Schreibens und Lesens Kundigen einen neuen Zugang zum Glauben gegeben. Ohne die Erfindung des Buchdrucks wäre das natürlich gar nicht möglich gewesen. Auch die Ausbreitung der Reformation hätte nicht auf diese schnelle Art stattfinden können. Martin Luther hat uns befreit vom Zölibat der Priester, hat uns Zugang verschafft zum Abendmahl, wo wir auch heute noch den Leib Christi und das Blut Christi in der Gemeinschaft der Gläubigen jeden Sonntag in den Gottesdiensten erfahren dürfen. Rathenow ist im Zweiten Weltkrieg (1939 -1945) zu 80% zerstört worden. Es mag auch die Strafe Gottes gewesen sein, die auf die Deutschen, die ja in vielfältiger Weise an den Verbrechen des Krieges beteiligt waren, gekommen ist.  Die Rathenower Sankt-Marien-Andreas-Gemeinde ist auf 2500 Mitglieder zusammengeschmolzen. Die verbrecherische 12jährige Naziherrschaft (1933- 1945) und die 45jährige kommunistische Propagierung des Atheismus (1945 -1990) haben viele Menschen ihren christlichen Glauben geraubt. Trotzdem ist es eine sehr lebendige Gemeinde und nach der Einheit Deutschlands hat sich 1996 ein Förderkreis gegründet, der versucht, die Sankt-Marien-Andreas-Kirche zum Lobe Gottes wiederaufzubauen. Wir sind noch lange nicht fertig mit dem Wiederaufbau, aber Kirchen wurden immer über mehrere Generationen aufgebaut und wir sind auf gutem Wege.
Rathenow hat den Beinamen „Stadt der Optik“, denn 1801 erhielt der damalige Pfarrer Johann Heinrich August Duncker das Patent für eine Vielschleifmaschine, mit der es das erste Mal  möglich war, Brillengläser mit exakten Dioptrien herzustellen. Daraus hat sich eine riesige optische Industrie in Rathenow entwickelt und bis 1939 hat Rathenow die ganze Welt mit Brillen, Mikroskopen, Ferngläsern und optischen Linsensystemen für die Leuchttürme beliefert. In Rathenow ist 1939 Rosemarie Köhn geboren, die als erste Frau ein Bischofsamt in Norwegen in der Stadt Hamar bekleidete. Ihr Vater war ein Optiker aus Rathenow. Sie ist die zweite Frau weltweit in der Evangelischen Kirche, die ein Bischofsamt innehatte. Ein Blick über die Landesgrenzen weitet die Glaubenserfahrung für alle Christen und so würden wir uns freuen, wenn Sie mit Ihrer Gemeinde eine Partnerschaft mit uns aufnehmen. Wir laden Sie für 2018 ganz herzlich nach Rathenow ein und würden Ihnen gern die Stätten der Reformation in Deutschland zeigen.

Dr. Heinz-Walter Knackmuß

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Biografie von Prof. Dr. Erardo Cristoforo Rautenberg

von Dr. Heinz-Walter Knackmuß 6. September 2017 18:02



Prof. Dr. Erardo Cristoforo Rautenberg wurde am 10.03.1953 in Comodoro Rivadavia/Argentinien geboren; er ist evangelisch-lutherischen Bekenntisses. Sein Vater Wilfried Karl Christophorus Rautenberg verwaltete in Patagonien zunächst die Estancia La Rosa seines 1945 verstorbenen Onkels und war dann Farmer auf der Estancia Bajo Grande (Las Heras). Er stammte wie seine Ehefrau Ingeborg Anna Minna Engel Marie Rautenberg, geborene Ahrens, aus dem Dorf Hohnstedt in Südniedersachsen. Beide hatten 1951 in Buenos Aires geheiratet. Ihr einziges Kind hat aufgrund seiner Abstammung die deutsche Staatsangehörigkeit (ius sanguinis) und aufgrund seines Geburtsortes die argentische (ius soli). Verwandtschaft lebt noch heute in Argentinien. Dabei handelt es sich um Nachkommen der Schwester seines Großvaters väterlicherseits, die vor dem Ersten Weltkrieg mit ihrem Mann nach Argentinien auswanderte. Es folgte nach dem Ersten Weltkrieg der Bruder seiner Großmutter väterlicherseits.


Comodoro Rivadavia (über 170.000 Einwohner)
Hafenstadt am Atlantik im südlichen Argentinien

Wir kommt man nun zu den Vornamen, die für deutsche Ohren doch  recht fremdländisch klingen. Erardo Cristoforo Rautenberg schreibt zu seiner Geburtsanzeige folgenden kleinen Kommentar.

Geburtsanzeige
 




"Bei dem Namen Erhard-Christoph ist es nicht geblieben: Da ich mit der Geburt in Argentinien auch die argentinische Staatsangehörigkeit erlangt hatte, musste mein Vorname nach der damaligen gesetzlichen Regelung ein inländischer sein. Aus Erhard ( nach meinem im April 1945 mit 17 als Luftwaffenhelfer gefallenen Bruder meines Vaters) wurde somit  in der Geburtsurkunde Erardo, aus Christoph aber nicht Cristobal, denn meine Mutter mochte den Namen nicht und meinem Vater gelang es, den Standesbeamten mit italienischen Wurzeln zu der italienischen Version zu überreden:Cristoforo. Doch wurde ich weiterhin Erhard-Christoph genannt, bis ich meine ersten Personalausweis beantragte, für  den der Name aus der Geburtsurkunde übernommern werden musste. Seitdem steht dieser Name in allen folgenden Ausweisen und Urkunden."
Die Taufe erfolgte am 7. März 1954 auf der Estancia Bajo Grande durch Pfarrer Wilhelm Mirus der Deutschen Evangelischen Gemeinde. Das Wort der Ansprache lautete: "Jesus spricht: Lasst uns hinüberfahren" (Markus 4,35). Der Taufspruch war das Geleitwort für das Jahr 1954: "Jesus spricht: Ich bin das Brot des Lebens" (Johannes 6,35).


Ingeborg und Wilfried Rautenberg mit Erhard-Christoph in Argentinien


Patagonien

1954 kehrten die Eltern mit ihrem Sohn nach Deutschland zurück, und zwar zunächst in das  Heimatdorf seiner Eltern: Hohnstedt bei Northeim (Niedersachsen).

Mutter und Sohn
auf der Schiffspassage
von Argentinien nach Deutschland