Biografie von Sigrid Schiebold

von Dr. Heinz-Walter Knackmuß 1. März 2016 22:03

 



Sigrid Hannelore Schiebold, geborene Berg, wurde am 01.10.1948 in Genthin geboren. Der Vater Heinrich Wilhelm Berg war Tischler, arbeitete in der Landwirtschaft und später in der Stellmacherei in Zollchow. Die Mutter Hildegard Katharina Marie Berg, geborene Senger, arbeitete auch in der Landwirtschaft in Zollchow. Sigrid Schiebold wuchs zusammen mit ihrer Schwester Karin Gabriele in Zollchow auf. Sie wurde in Zollchow durch Pfarrer Friedrich Westphal getauft.

 


Sigrid Schiebold
3 Jahre alt

 

 

Am 01.09.1955 wurde sie in der Oberschule Vieritz eingeschult und durchlief hier alle  acht Klassen. Die neunte und zehnte Klasse absolvierte sie an der Oberschule in Milow, wo sie 1965 die Mittlere Reife ablegte. Am Palmsonntag 1963 wurde sie in der Kirche in Zollchow von Pfarrer  Georg Salzwedel konfirmiert. Ihr Konfirmationsspruch lautete: Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet (Römer 12,12).  

 


Konfirmation 1963

 

 

Nach der Schule begann sie von 1965 – 1968 eine Ausbildung im VEB Chemiefaserwerk „Friedrich Engels“ in Premnitz als Betriebs-Mess- und Regelungsmechaniker (BMSR) und erhielt nach der bestandenen Prüfung die Anerkennung als Facharbeiterin. Von 1968 – 1991 arbeitete sie als Wartungsmechanikerin in der Datenverarbeitung des VEB Chemiefaserwerk „Friedrich Engels“ in Premnitz und war mit der Wartung und  Reparatur der Maschinen für Lochkarten und Lochbänder tätig. Später kamen dann Drucker und Monitore dazu. Von 1990 – 1992 absolvierte sie eine Umschulung zur Bürokauffrau und nahm von 1992 -1994 eine Tätigkeit als Gleichstellungs- und Ausländerbeauftragte im Landkreis Rathenow auf. Nachdem sie berufsbegleitend einen A-2 Verwaltungslehrgang besucht hatte, arbeitete sie von 1994 -2013 als Sachbearbeiterin im Sozialamt des Landreises Havelland. Sigrid Schiebold heiratete am 21.03.1970 den Koch Holger Frank Richard Schiebold. Die Trauung erfolgte in der Zollochower Kirche durch Pfarrer Georg Salzwedel. Ihr Trauspruch lautete: Ich weiss, an wen ich glaube (2, Tim. 1,12).


Sigrid und Holger Schiebold

 

Am 08.10.1972 wurde dem jungen Paar der Sohn Daniel und am 09.08.1976 die Tochter Dörte geschenkt. Sigrid Schiebold konnte am 20.09.2015 in Milow ihre Goldene Konfirmation feiern.


Goldene Konfirmation am 20.09.2015 in Milow
mit Pfarrer Christoph Seydych

Von 1971 -1998 wohnte die Familie Schiebold in Rathenow. 1998 bezog Sigrid Schiebold mit ihrem Mann das Haus vor der Alten Mühle in Milow und seither ist Milow der Mittelpunkt ihres Lebens.  Sigrid Schiebold wurde sofort nach Gründung des Förderkreises zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow e.V. am 22.12.1996 dessen Mitglied, weil sie wollte, dass das Wahrzeichen der Stadt Rathenow wieder zum Lobe Gottes aufgebaut wird. In ihrer Freizeit arbeitet sie gern im Garten. Sie bastelt auch gern und liebt ihre sechs Enkelkinder über alles.


Sigrid Schiebold vor ihrem Haus in Milow

Seit 1973 ist sie Mitglied in der CDU, des weiteren Mitglied der Rathenower Tafel und im Kneipp-Verein.



© Dr. Heinz-Walter Knackmuß 01.03.2016










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Biografien

Biografie von Dr. Peter Niemann

von Dr. Heinz-Walter Knackmuß 22. Januar 2016 21:26

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Dr. Peter Alexander Niemann wurde am 12.08.1946 in Rathenow geboren. Seine Mutter, Irmgard Alwine Margarethe Walther, geborene Niemann, arbeitete beim Fernmeldeamt Rathenow als Telefonistin und später als Hauptsekretärin. Der Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche lag der Mutter sehr am Herzen und sie meinte immer scherzhaft:
„Wenn sie im Lotto gewinnen würde, wollte sie auch gern etwas dafür spenden.“ Dr. Peter Niemann wurde am 17.11.1946 in der Lutherkirche in Rathenow getauft.

clip_image004Taufbescheinigung von Dr. Peter Niemann

1953 wurde er in die Bruno-H.-Bürgel-Schule in Rathenow (Jahnschule) eingeschult und durchlief dort die Klassen 1-3. In den ersten Jahren fand der Unterricht wegen der großen Anzahl von Kindern immer eine Woche vormittags und eine Woche nachmittags statt, weil der Flügel der Schule noch von der Friedrich-Engels-Schule benutzt werden musste. Die 4. – 8. Klasse absolvierte er an der Neuen Schule (Weinbergschule), die gerade fertig gestellt war.
Von der 4. Klasse bis zur 11. Klasse hatte er Klavierunterricht bei Johanna Findert in der Schleusenstraße in Rathenow.
Nach der Grundschule wechselte er zur Erweiterten Oberschule „Karl-Marx“ (ein Flügel der Jahnschule) und konnte hier die 9. – 11. Klasse mit seinem Klassenlehrer Lothar Seeger noch in der Jahnschule durchlaufen, zog aber mit der Schule dann in die Schleusenstraße um und legte nach der 12. Klasse 1965 dort sein Abitur mit Auszeichnung ab. Es war ein Abitur mit Beruf ermöglicht worden und so konnte er im Vorpraktikum zum Studium auslernen und 1966 seine Prüfung zum Facharbeiter für Betriebs-, Mess-, Steuer- und Regelungstechnik im Chemiefaserwerk „Friedrich Engels“ in Premnitz ablegen.

Am 19.11.1961 wurde er von Pfarrer Reichardt in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche konfirmiert. Sein Konfirmationsspruch lautete: “Das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist es eine Gotteskraft.“

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Von 1965 -1970 studierte Dr. Peter Niemann an der Technischen Universität Dresden Elektrotechnik/Regelungstechnik und erhielt den Abschluss als Diplomingenieur. Von 1970 – 1975 arbeitete er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Technischen Universität Dresden und fertigte seine Dissertation an 1975 nahm er eine Tätigkeit in der Abteilung Prozessautomatisierung im VEB Chemiefaserwerk „ Friedrich Engels“ in Premnitz auf. 1977 promovierte er zum Dr.-Ing. an der Technischen Universität Dresden über das Thema „Zur Vereinfachung eines theoretisch gewonnenen Prozessmodells eines kontinuierlich arbeitenden chemischen Rührkesselreaktors“ mit cum laude. Mit der Einheit Deutschlands im Jahr 1990 nahm er eine Arbeit beim Ingenieurbetrieb für Automatisierungstechnik (IAT) GmbH in Premnitz auf. 1996 zog die Firma nach Brandenburg um. Als diese GmbH im Jahr 2000 mit der Honeywell AG fusioniert wurde, arbeitete er bei dieser Firma weiter in Brandenburg an der Havel bis 2006 und ging dann in die Rente. Die Honeywell AG befasste sich mit Prozesssteuerungen von Kraftwerken, Chemieanlagen und Raffinerien in Norddeutschland, was viel Reisetätigkeit mit sich brachte.

Am 06.05.1972 heiratete er in der Lutherkirche in Rathenow die Diplomlehrerin für Geschichte und Russisch Regina Schaarschmidt. Seine Frau unterrichtete zunächst an der Polytechnischen Oberschule in Nennhausen und ging später an die Betriebsberufsschule nach Premnitz. Die Trauung wurde von der Pastorin Irmela Winde vollzogen. Der Trauspruch lautete: „Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, aber die Liebe ist die größte unter ihnen“

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Dem Ehepaar Niemann wurde am 30.09.1972 der Sohn Gunnar Michael und am 31.12.1973 der Sohn Andreas Winfried geboren.

In seiner Freizeit spielt Dr. Peter Niemann gern Gitarre und Klavier. Seit 1970 gehörte er der Betriebssportgemeinschaft Motor Rathenow, Sektion Segeln an, die 1990 als Rathenower Segler-Club e. V. ein selbständiger Verein wurde. Seit 2005 ist Dr .Peter Niemann Vorsitzender des Rathenower Segler-Clubs e. V. Der Semliner See mit seiner romantischen Umgebung fasziniert ihn bis heute. Daneben rudert er seit 2005 auch im Rathenower Ruderclub Wiking und tanzt auch gern.

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2011 konnte er in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche seine Goldene Konfirmation feiern. Seit dem 31.01.2015 ist er Mitglied im Förderkreis zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow e. V., denn der Wiederaufbau des Wahrzeichens seiner Heimatstadt liegt auch ihm am Herzen.

© Dr. Heinz-Walter Knackmuß 14.01.2016

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Biografien

Eine Sicht aus Lehrjahre der Zeiten

von Dr. Heinz-Walter Knackmuß 4. Januar 2016 20:55

von Günter Thonke

Eine Sicht aus Lehrjahre der Zeiten

Gereimte Gedanken am Winteranfangstag A D 2015
von mir, dem alten Günter Thonke
.

Wo immer man auch zugehört,
im Dasein wird man oft betört!
Aus welcher Wiege man auch kam,
selten man genau es nahm.
So war es schon zu allen Zeiten
beim in das Leben schreiten,
bis der Kindheit man entwachsen,
blieb es so mit vielen Faxen!-

Ging man aus dem Elternhaus,
lernte was, fand eine Maus,
welche dann den Weg recht wies,
es aber ihn nicht merken lies!
Die Frauen sind ja klug darin,
haben ihren Lebenssinn
mit den Kindern auf dem Schoß,
ziehen sie die von klein auf Gross!

Doch bei alle dem Theater,
besser ist es mit dem Vater,
wie es in alten Zeiten war,
erinnert man sich dann Jahr für Jahr!
Als man noch mit Fug und Kraft,
kaum wusste, wie man es geschafft!
Den Staffelstab gab man dann weiter,
Sprosse ab ging es auf der Lebensleiter,-
manches wurde angefragt:
„Was man denkt und was man sagt!“

Hörte dabei stets auf die Frau,
als Oma wusste die genau,
sachlich im Gespräch vertieft,
wie die Sache ist und wie sie lief!-
Nun nahet sich das letzte Alter,
wird man senil, bleibt man ein Falter?

Der schillert, - was zu sagen hat-
es nun darf: „Das ist doch watt!“
Man gehorcht, hört aber schlechter
und wird daher auch viel gerechter!
Als Altersnarr, fast schon ein Weiser,
sieht man noch klar, bleibt lieber leiser.
Ob`s gut, ob`s bös`, ob `s ehrlich war
und ohne Ängsten in der Hose,
erkennt man schnell des Schicksals Chose,
sieht Vergangenes so fern

und liebt der Lieben Nähe gern!
Und wird nach „Früher“ man gefragt,
was anders oder schlecht man drüber sagt:
„Es hat nur alles seine Zeit,
am Ende auch die Ewigkeit!“
Wie man es einmal richtig macht,
hat selten wer zu sagen gewagt.
Der kam auf keinen grünen Zweig,
weil der zu Neid und Missgunst neigt!
Menschen sind wie sie sind,
zwar ihm zum Bilde, auch zum wandeln,
tun es mal gut, sind hart im handeln.
Drum lebet, aber lasset leben,
aber keine Spinnennetze weben!

Mit offenem Visier und ohne Hinterhalt,
Glück und Unglück zu ertragen,
gehört es zu des Daseins Fragen!
„Hochhinaus“ macht Langeweile,
merkt besonders diese Zeile.
Mein Opaahn gab diesen letzten Rat,
Erfolg nur die Arbeit hat,
wer damit froh und auch belesen,
ist geistig Ärmeren distanziert gewesen.

Doch hilfreich sein,
nicht nur zum Schein.
Habet einen eignen Willen,
vergleicht euch nie,
auch nicht im Stillen.
Wer vergleicht, der irrt sich und verliert,
hat sich selber angeschmiert!
Lebenskünstler sind selten glücklich,
wer sich selber schmückt ist tückisch!
In der weiten Welt Gewirre,
fehlt oft Vernunft, gib`s viele Irre,
die oben auf der Suppe schwimmen,
doch unten, dort da liegt die Kraft,
die Erfolg im Dasein schafft!
Nehmt nichts zu ernst!
Belächelt euch!

Das ist leichter gesagt als getan!
Denkt an Gutes- und tut es!

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Biografien

Ein alter Mann

von Dr. Heinz-Walter Knackmuß 4. Januar 2016 20:31

Ein alter Mann

von Günter Thonke(25.10.2015)


Ein alter Mann ist stets ein fremder Mann,
der spricht von längst vergangenen Zeiten,
von Toten und verschollenen Begebenheiten!
Wir denken: „Was geht uns das an!“-

Der war einst zugereist aus anderen Landen,
sang anders oft, als es wir schön empfanden.
Sein Geist tickte anders, als alle Säfte rannen,-
denkt nun an die Geliebten noch,
wenn die schon längst von dannen!

Fürwahr, er war kein Held, der alte Mann, -
so alt, dass uns schon Welten trennen, -
Erfahrungen nutzen dann und wann,
aber uns verjährt erscheinen dann. -
Wir starteten in ein eignes Rennen
und fingen gern von vorne an!

Der alte Mann von irgendwo,
dem Heimat fehlte, wo die Seinen waren, -
hatte mit dem Sprechen ein fremd` Gebaren, -
doch wenn wir alt und hoch bei Jahren, -
dann sind wir fremd und ebenso!

So kam auch jeder einst vom Adebar,
bis er die Mutter froh erkannte.
Ein Vater war oft selten da,
dass man sich Freunde suchte im Lande.
Mit denen quatscht und klönt man rum,
als Schüler stellte sich sogar dumm,
dass Lehrer sagten feierlich:
„ Kurzum, mein Kind, du weißt es nicht!“

Gelernt daraus und im Berufe,
wusste man mehr zu dem Behufe, -
rauchte nach Feierabend gern Zigarre, -
denkt an wieso und an wie ferne -
und wie sie läuft, die Karre!

Mal wählt man schwarz, mal gelb, mal rot -
und ist oft am nächsten Tag schon tot!
Ich aber nicht, so denkt da jeder!
Immerhin hat man noch einiges im Sinn!
Ich bin, ich werde, war gewesen, -
so hatte man sich es erlesen!

In vielen Büchern auf der Kommode,
zum erfahren, was kommt nach dem Tode?
Vom Glauben und den Philosophen,
verwirrt, gefestigt und geirrt, -
gelesen habe ich es schier -
und nun aber hinter mir!

Zentnerweise Altpapier von alten Weisen,
legt man nun zum alten Eisen
und denkt im Stillen innerlich:
Nun weißt du es,- dass du es nicht weißt!
“ Machtlos wird von dir erkannt, -
gleich wo du gewandelt im Erdenland!

So war es bei den sieben Schwaben,
deren Karre auch im Graben,
die aber „Bahnhof“ gut verstehen,
wie Berliner es am „Fluchplatz“ sehen!
Hamburgs Oper Irrenhaus, -
oft will man rein und dann bald raus!

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Biografien

Biografie von Elfriede Müller

von Dr. Heinz-Walter Knackmuß 27. Dezember 2015 23:06

Biografie von Elfriede Müller

Verfasst von Hans Müller

Elfriede Müller, geborene Sprotte, wurde am 11. April 1906 als die Zweite der drei Töchter des Stadtbaurates Friedrich Sprotte in Kolberg/Ostsee geboren. Sie verbrachte die ersten Jahre ihrer Kindheit in Kolberg, bis ihr Vater sich mit Erfolg um die Stelle des Stadtbaurates in Rathenow bewarb und dieses Amt 1909 antrat. Seine Familie folgte ihm zwei Jahre später nach und bezog eine größere Wohnung in dem Gebäude der Maschinenfabrik Richter in der Bahnhofstraße.

clip_image001Vater Johann Friedrich Sprotte
Rathenower Baustadtrat

Elfriede Sprotte verlebte dort ihre Jugendjahre. Wie ihre Schwestern besuchte sie das Lyzeum in der Schleusenstraße, dessen Gebäude ihr Vater ungefähr gerade rechtzeitig zu ihrem Schuleintritt architektonisch entworfen hatte und das unter seiner Leitung in den Jahren 1912/13 erbaut wurde. Elfriede Sprotte hat während ihrer Schulzeit manche Freundinnen und Freunde in Rathenow gefunden, an die sie sich zurück erinnerte, als sie 1990/91 nach vielen Jahrzehnten Rathenow wieder besuchen konnte und dabei auch andächtig das erhalten gebliebene Gebäude des Lyzeums besichtigte (heute Oberschule „J.H.A. Duncker“).

clip_image002Ehemaliges Lyzeum
Oberschule Johann Heinrich August Duncker

Die Erziehung und Ausbildung der Töchter des Stadtbaurates Sprotte lag in der Hand seiner Frau, die der Familie Kröning in Kolberg entstammte. Ihr Vater hatte ein ursprünglich in Kolberg als Delikatessengeschäft betriebenes Unternehmen zu einem lokalen Bankhaus entwickelt, von daher hatte Mutter Sprotte eine klare Vorstellung von der Bedeutung einer guten Ausbildung und der Fähigkeit zur wirtschaftlichen Haushaltsführung. Dank dieser Erziehung ist es Elfriede Sprotte trotz schwerer Rückschläge in ihrem Leben immer wieder gelungen, einen soliden Hausstand einzurichten.

clip_image004Familie Sprotte in einer Gartenlaube
in der Bahnhofstraße in Rathenow,
Elfriede Sprotte sitzt links (etwa 1914)

1918 wurde die Familie Sprotte von einem einschneidenden Schicksalsschlag betroffen, als Mutter Sprotte plötzlich schwer erkrankte und nach wenigen Tagen starb. Für die noch junge Elfriede Sprotte und ihre beiden Schwestern bedeutete das die erste dramatische Wendung in ihrem Lebenslauf, die sie zu bestehen hatten. Vater Sprotte war in dieser Zeit als Vorsitzender der „Kriegskommission“ für die Versorgung der Stadt Rathenow verantwortlich und fand nur wenig Zeit, sich seinen Kindern widmen zu können. Er engagierte eine „Hausdame“, die er schließlich heiratete. Diese Stiefmutter entledigte sich der ihr zufallenden Erziehungsaufgaben, indem sie die Kinder streng behandelte und schließlich versuchte, sie auf möglichst billige Weise in einer Ausbildung unter zu bringen. Anstatt ihr ein Studium zu ermöglichen, wie es die Mutter ihr zugedacht hatte, wurde für Elfriede eine Stellung zum Erlernen des Haushalts gesucht. Im Frühjahr 1924 trat sie eine Kochlehre in dem Katte’schen Rittergut in Wust an. Dort wurde aber das Gesinde noch als rechtlos angesehen, womit sich Elfriede nach einem unangenehmen Vorfall nicht abfinden wollte. Sie packte ihre Sachen und fuhr nach Hause. Ihr Vater rechtfertigte ihre spontane Reaktion mit der Bemerkung „Das ist das Gescheiteste, was du getan hast, dass du fortgegangen bist.“

clip_image006Elfriede Sprotte als Schülerin
in der Schule für Gartenbau
in Wittstock/Dosse (1928)

Im Juli 1924 trat sie eine neue Stellung auf dem Hof Hundorf in Mecklenburg an. In Hundorf musste fleißig gearbeitet werden. In einer Umgebung, in der alle Mitglieder der Hofgemeinschaft menschlich geachtet wurden, erwarb sie sich gründliche praktische Kenntnisse in der Hauswirtschaft, von denen sie ihr Leben lang zehrte.

Um einen regelrechten Beruf zu erlernen, entschloss sich Elfriede anschließend zu einer Ausbildung als Gärtnerin in der Gartenbauschule in Wittstock/Dosse, die sie im Frühjahr 1927 aufnahm. Im Juli 1929 hat sie diese Ausbildung mit Erfolg abgeschlossen. Es folgte eine reguläre Stellung in einem Obstgut in der Umgebung von Nürnberg.

In dieser Zeit lernte sie durch eine Korrespondenz ihren späteren Ehemann Karl Müller kennen, der einen kleinen Hof in Briesnitz im Glatzer Bergland in Schlesien bewirtschaftete. Die grundständige Tätigkeit in der Landwirtshaft sagte ihr zu, während ihr zukünftiger Mann von ihrer Weltoffenheit angetan war.

clip_image008Der Müller’sche Hof im Glatzer Bergland
in Schlesien (1934)

Sie beschlossen, auf dem Hof als Nebenerwerbsquelle eine moderne Hühnerhaltung einzurichten. Elfriede bereitete sich systematisch darauf vor, indem sie einen achtwöchigen Kurs in einem Lehrbetrieb für Geflügelwirtshaft absolvierte. Damit offenbarte sie eine besondere Eigenschaft: Wenn sie vor einem neuen Aufgabengebiet stand, dann bemühte sie sich stets, sich systematisch die dafür nötigen Kenntnisse anzueignen. Dieses Bestreben wurde ihr in ihrem weiteren Leben noch mehrmals abgefordert und immer wieder hat sie sich den neuen Erfordernissen gestellt.

clip_image010Elfriede Müller mit ihren
beiden Söhnen Fritz und Hans (1934)

Im Frühjahr 1930 fand die Hochzeit statt. Die geplante Geflügelzucht wurde eingerichtet. Die Erlöse waren anfangs sehr schmal, das junge Ehepaar bekam die Weltwirtschaftskrise zu spüren. Ende 1931 gebar Elfriede ihr erstes Kind, Fritz genannt und zu Beginn des Jahrs 1933 ihr zweites Kind, das auf den Namen Hans getauft wurde.

1936 entstand zwischen den Eheleuten ein Zerwürfnis wegen der Wirtschaftsführung. Es stellte sich heraus, dass Karl Müller nicht sonderlich an dem landwirtschaftlichen Betrieb interessiert war. Er hatte den Hof notgedrungen nach dem frühzeitigen Tod seines Vaters übernehmen müssen, was ihm eine weitergehende Schulbildung verwehrte, wozu seine Lehrer eigentlich geraten hatten, denn er war der beste Schüler in der Dorfschule gewesen. Er hatte auch keinen regulären Beruf erlernt, sondern musste sich unter der Anleitung seines Vaters, der eigentlich ein gelernter Müller war, in die Landwirtschaft einarbeiten. Elfriede stand dem landwirtschaftlichen Betrieb dagegen aufgeschlossen gegenüber und war auch in Wirtschaftsdingen genügend geschult, um den Hofbetrieb erfolgreich führen zu können – doch der Hof gehörte ihrem Mann.

Den Eheleuten gelang es nicht, sich in ihren unterschiedlichen Auffassungen zu einigen, die Ehe wurde schließlich 1936 geschieden. Karl Müller verkaufte umgehend den Hof und war forthin in einer Textilfabrik als Arbeiter tätig, bis er 1939 als Soldat einberufen wurde. Elfriede Müller ging mit ihrem zweiten Sohn Hans nach Berlin. Der erste Sohn blieb gemäß richterlichem Beschluss bei seinem Vater.

In Berlin fand sie zunächst einen bescheidenen Unterschlupf als Hausangestellte in einer Familie aus dem Verwandtenkreis. Als besondere Vergünstigung durfte sie ihr Kind in den Haushalt mit einbringen. In dieser Zeit lernte sie beiläufig einen Rechtsanwalt kennen, dessen Frau Jugendpflegerin war und sich mit den Verhältnissen im Schulwesen auskannte. Diese Frau machte Elfriede Müller darauf aufmerksam, dass es einen großen Lehrermangel gäbe und deshalb besondere Kurzausbildungsgänge eingerichtet worden seien. Eine Bewerbung von Elfriede wurde günstig aufgenommen, so dass sie 1937 in eine Ausbildung zur „Landwirtschaftlichen Berufsschullehrerin“ eintrat. Nach dem erfolgreichen Abschluss wurde ihr zum Februar 1939 eine Lehrerstelle in dem Städtchen Baruth/Mark zugewiesen, wo sie eine Hauswirtschaftsschule einrichten sollte. Diese Aufgabe bewältigte sie zur Zufriedenheit ihrer Vorgesetzten. Den Hauswirtschaftsunterricht führte sie nicht nur in Baruth, sondern auch in den umliegenden Dörfern durch, zu denen sie mehrmals in der Woche mit dem Fahrrad hinfuhr. Da wegen des beginnenden Krieges auch einige Lehrkräfte zur Wehrmacht einberufen wurden, musste sie zusätzlich hilfsweise Unterricht in der Volksschule übernehmen.

Baruth, südlich von Berlin in einem vorwiegend landwirtschaftlich genutzten Umland gelegen, wurde während der Kriegsjahre glücklicherweise vollkommen von dem Luftkrieg verschont. Wenn die Sirenen ertönten, dann standen die Baruther häufig vor ihren Häusern und beobachteten die Kondensstreifen der Bombenflugzeuge oder nachts die Scheinwerferstrahlen. Doch 1944 änderte sich das, Flüchtlinge zogen durch den Ort und schließlich näherte sich die Front.

Eines Tages – der Schulbetrieb sollte gerade beginnen – hieß es plötzlich „Die Russen kommen“ und schlagartig verwandelte sich das bis dahin in Baruth geltende Deutschland in ein gänzlich anderes Deutschland. Kugeln pfiffen über die Häuser, russische Soldaten kamen, forderten Uhren ein und nahmen jüngere Frauen mit sich.

Elfriede Müller harrte im Keller des Schulgebäudes zusammen mit anderen Hausbewohnern aus. Abends, als die Dunkelheit hereinbrach, fühlte sie sich dort ihres Lebens nicht mehr sicher und verließ unbemerkt zusammen mit ihrem Sohn den Keller und schlich sich in die Nacht hinein über die Wiesen in den nicht weit gelegenen Wald. Hinter ihr bildeten die brennenden Häuser des Städtchens Baruth eine gespenstische Kulisse. Nur wenige Häuser in Seitenstraßen wurden von den Flammen verschont. Eine Woche lang wanderte sie nachts auf entlegenen Pfaden durch die Umgebung, ursprünglich in der Hoffnung, dass von den Deutschen kontrolliertes Gebiet noch zu erreichen sei. Es wurde aber bald deutlich, dass es ein solches Gebiet nicht mehr geben würde, so kehrte sie in das bis zur Unkenntlichkeit zerstörte Baruth zurück.

Ihre Stellung als Lehrerin wurde von der neuen provisorischen Stadtverwaltung als hinfällig erklärt. Sie hatte in Baruth nun keine besonderen Bindungen mehr. Viele der ihr bekannten Menschen waren getötet oder auch einfach nicht mehr da. Ihre Wohnungseinrichtung war von freigelassenen Häftlingen, die ihrer Wut auf die Deutschen freien Lauf gelassen hatten, zerstört worden. Sie machte sich auf den Weg nach Werder an der Havel in der Hoffnung, dort in den zahlreichen Obstplantagen und Gartenbaubetrieben eine Arbeitsstelle zu finden. Nach einer mehrtägigen Fußwanderung erreichte sie zusammen mit ihrem Sohn das Ziel und fand auch in einer Gärtnerei in dem Dorf Phöben bei Werder eine Arbeitsstelle – mit einem Stundenlohn von 0,50 RM pro Stunde. Für die Mitarbeit ihres Sohnes bekam sie einen Zuschlag von 0,10 RM pro Stunde. Sie erhielt aber auch in der Gärtnerei einen Wohnraum, der ursprünglich für „Fremdarbeiter“ errichtet worden war.

clip_image012Elfriede Müller in Phöben
in der Umgebung Potsdams (1949)

Es fand sich ein älteres Ehepaar ein, das Elfriede Müller aus dem Schulbetrieb in Baruth kannte. Gemeinsam mit diesem Ehepaar wurde als Wohngemeinschaft eine kleine Wohnung in Phöben gemietet. Das Leben normalisierte sich, aber doch in beunruhigender Weise. Das neue Regime sorgte zwar für geordnete Verhältnisse, es wurde aber bei weitem nicht von allen Menschen geschätzt und manche opponierten mehr oder weniger aktiv. Solche Menschen, die sich verdächtig machten, wurden unbarmherzig verfolgt. Man sagte damals, dieser oder jener sei „abgeholt“ worden. Die Betroffenen waren tatsächlich für einige Zeit verschwunden und es gab nirgendwo Aufklärung über ihren Verbleib. Diese Vorfälle trugen dazu bei, dass sich eine ständige Fluchtbewegung nach Westberlin entwickelte, das vor 1961 trotz mancher Verbote noch leicht zugänglich war.

So erging es dem Mann des befreundeten Ehepaares. Im Sommer des Jahres 1951 fuhr eines Tages ein Auto vor – damals in dem kleinen Dorf Phöben ein auffälliges Ereignis, zwei Männer stiegen aus, durchsuchten das Haus und erklärten dann dem Mann, dass er „zur Klärung einer Angelegenheit“ mitkommen müsse. Das Auto verschwand und mit ihm der Mann.

Elfriede Müller befürchtete Weiterungen, besonders auch deshalb, weil in der Oberschule in Werder, die ihr Sohn besuchte, eine oppositionelle Schülergruppe aufgespürt worden war und einige Schüler offenbar verhaftet worden waren, über deren Verbleib allerdings nichts zu erfahren war. Darunter war auch ein Schulkamerad ihres Sohnes. Sie beschloss deshalb, mit ihrem Sohn und der Ehefrau des verschwundenen Mannes die DDR zu verlassen.

Nach möglichst unauffälligen Vorbereitungen und unter Zurücklassung von allem bescheidenem Hab und Gut, das sie nach dem Kriegsende wieder hatte erwerben können, fuhren die Drei auf getrennten Wegen nach Westberlin, das sie auch glücklich erreichten. Dort fanden sie zunächst Aufnahme bei einer entfernten Verwandten in einem vom Bombenkrieg noch arg beschädigten Haus.

Die Flüchtlinge aus der DDR mussten ein „Notaufnahmeverfahren“ durchlaufen, das eine große Strapaze für sie mit sich brachte, weil die Verwaltung in Westberlin der großen Zahl von Flüchtlingen kaum gewachsen war. Aber alle wurden versorgt, wurden mit bescheidenen Mitteln ausgestattet und erhielten schließlich auch Unterkünfte zugewiesen. Elfriede Müller wurde mit ihrem Sohn in einen kleinen Raum im „Fichtebunker“ einquartiert, einem ehemaligen Gasometer in der Fichtestraße, der im Krieg zu einem Luftschutzbunker umgebaut worden war.

Nach einigen Wochen konnte Elfriede Müller zur Untermiete in zwei Zimmer in Berlin-Kreuzberg einziehen. Sie galt als „arbeitslos“, was in jener Zeit in Westberlin ein häufiges Schicksal war. Zur Abhilfe wurden „Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen“ durchgeführt, wodurch sie in das Büro eines Professors an der Pädagogischen Hochschule gelangte. Als der erkannte, dass sie eine ausgebildete und praxiserfahrene Lehrerin war, machte er sie darauf aufmerksam, dass zwar nicht in Westberlin, aber in Westdeutschland Lehrkräfte gesucht würden und vermittelte ihr Bewerbungsadressen. Elfriede Müller bewarb sich mit Erfolg und erhielt 1955 eine Stellenangebot für die Außenstelle Schneverdingen der Landwirtschaftlichen Berufsschule Soltau in der Lüneburger Heide. Hier ergab es sich, dass die Außenstelle zu einem eigenen Standort der Berufsschule ausgebaut werden sollte, so dass Elfriede Müller bei ihrem zweiten Berufsstart als Lehrerin wiederum ihren eigenen Arbeitsplatz gemeinsam mit den Kollegen gestalten und einrichten musste. Aber anders als 1939 zogen trotz des „kalten Krieges“ keine wirklichen Kriegswolken auf, im Gegenteil, in der jungen Bundesrepublik entwickelte sich ein phänomenaler Wirtschaftsaufschwung, der zu einem breit gestreuten Wohlstand führte. Elfriede Müller konnte nun ein sorgenfreies Leben führen und sich ganz mit ihrem Beruf befassen. 1967 beendete sie ihre Berufstätigkeit und konnte jetzt mancherlei anderen Aufgaben nachgehen. Sie unterstützte die Familien ihrer Söhne bei der Geburt der fünf Enkelkinder. Sie nahm an einem Lehrgang teil, um die Bücher einer evangelischen Leihbücherei für das Hamburger Krankenhaus nach neuen Regeln katalogisieren zu können, mit dieser Arbeit war sie längere Zeit beschäftigt. Als Rentnerin konnte sie endlich ihre Verwandten in der DDR besuchen. Für die evangelische Kirche übernahm sie in Schneverdingen die Bearbeitung der Anträge auf Unterstützung durch das Müttergenesungswerk. Sie wurde aktives Mitglied im Evangelischen Frauenbund Deutschlands, wo sie auch funktionelle Aufgaben übernahm. 1972 siedelte nach Westberlin über, um in der Nähe der Familie ihres jüngeren Sohnes sein zu können. Hier schloss sie sich der evangelischen Kirchengemeinde in Berlin-Siemensstadt an und übernahm wiederum Aufgaben im Evangelischen Frauenbund. In diesem Rahmen arbeitete sie in einer kleinen Vortragsreihe die Bilder von Frauen heraus wie Tania Blixen, Friederike Fliedner, Edith Stein, Rosa Luxemburg, deren Leben und Wirken sie für besonders eindrucksvoll hielt. Aber auch Ernst Barlach machte sie zu einem ihrer Themen.

clip_image016Elfriede Müller
mit Zweien ihrer drei Urenkel (2002)

1990 konnte sie nach dem Fall der Mauer nach Jahrzehnten endlich wieder den Ort ihrer Kindheit und Jugendzeit besuchen: Rathenow. Obwohl Vieles zerstört und verändert war, kannte sie doch manches Haus wieder, in dem sie ihre Schulfreunde und -freundinnen getroffen hatte, manchen Ort, von dem sie wusste, das hat Vater gebaut und sie erinnerte sich, nach Ferchesa ist Mutter mit uns zum Baden gefahren. Sie bestieg den Weinberg und fand von einem Urwald fast überwuchert die Ruine des Bismarckturms und richtete an den Bürgermeister Rathenows einen Brief mit der Bitte, dass man sich doch um die Wiederherstellung bemühen möge. Als sie bei der Steinsetzerei Neils klingelte und sich vorstellte wurde sie von Rudolf Eißer mit den Worten empfangen: „Sprotte? Der hat nicht diskutiert, der hat entschieden!“ Ihr Anliegen war, dass sie ihrem Vater einen Grabstein setzen lassen wollte. Als ihre jüngere Schwester 1937 im Sterben lag, hatte sie der das versprochen und hatte dieses Versprechen über die Jahrzehnte hinweg nicht einlösen können. Nun endlich konnte sie den Grabstein in Auftrag geben.

Sie trat auch dem Förderkreis zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow bei, der Kirche, die ihr Vater als ein sakrales märkisches Bauwerk besonders geschätzt hatte und in der sie vor Jahrzehnten eingesegnet worden war.

Elfriede Müller suchte die Grabstelle ihrer Eltern auf dem Evangelischen Friedhof, sie wusste ungefähr noch die Lage, konnte aber nichts finden, die Grabstelle war aufgelassen worden. Die Leiterin der Verwaltung des Friedhofes und Vorsitzende des Vereins Memento, Frau Eva Lehmann, konnte die Grabstelle schließlich wieder lokalisieren. Auf einen Antrag des Vereins Memento hin wurde vom Gemeindekirchenrat die Grabstelle der Familie als ein Beitrag zur Bewahrung der Geschichte der Stadt Rathenow zur Nutzung übertragen.

Elfriede Müller starb am Neujahrstag 2003.

Elfriede Müller hat als eine geborene Sprotte nach einem langen Leben, dessen Herausforderungen sie angenommen hat, ihre letzte Ruhestätte auf der Grabstätte ihrer Eltern im Angesicht der St.-Marien-Andreas-Kirche gefunden.



Grabstein von Elfriede Müller
auf dem Weinbergfriedhof
in Rathenow

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Biografien

Biografie von Landrat Dr. Burkhard Schröder

von Dr. Heinz-Walter Knackmuß 2. Oktober 2015 17:37

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Der Landrat des Landkreises Havelland, Dr. Burkhard Schröder, wurde am 20.07.1950 in Köritz geboren. Die Gemeinde Köritz wurde 1954 nach Neustadt (Dosse) eingemeindet.

clip_image004Pfarrkirche in Köritz

Sein Vater, Gerhard Schröder, war Zimmermann und Bauingenieur und unterrichtete später als Baufachlehrer. Seine Mutter, Gerda Gisela Schröder, geborene Stickert, war Angestellte bei der Provinzialregierung Brandenburg und später im Sekretariat und in der Buchhaltung des Lehrerbildungsinstituts in Templin (ehemaliges Joachimthalsche Gymnasium) beschäftigt. Dr. Burkhard Schröder wurde in der Kreuzkirche in Neustadt an der Dosse getauft.

clip_image005Kreuzkirche in Neustadt an der Dosse
mit Taufbecken

1957 wurde Dr. Burkhard Schröder in der Übungsschule des Lehrerbildungsinstitutes Templin eingeschult und durchlief hier die 1.- 6. Klasse. Dann wechselte er zur Johann Wolfgang von Goethe Grundschule in Templin, wo er die 7. und 8. Klasse absolvierte.

clip_image007Grundschule Johann Wolfgang von Goethe
Templin

Von 1965 -1969 besuchte er die Erweiterte Oberschule „Friedrich Engels“ in Neubrandenburg und legte 1969 sein Abitur mit Auszeichnung ab. Da bei den Mathematik-Olympiaden an den Schulen seine mathematische Begabung aufgefallen war, kam er in eine Spezialklasse für Mathematik. Mathematik-Olympiaden (Mathe-Olympiaden) waren Schülerwettbewerbe in der DDR, bei denen die besten Schüler schwierige Aufgabe zu lösen hatten und Preise vergeben wurden. Es gab solche Olympiaden in vielen Fachbereichen.

clip_image009Erweiterte Oberschule „Friedrich Engels“ in Neubrandenburg

Von 1969 bis 1970 studierte Dr. Burkhard Schröder Chemische Verfahrenstechnologie an der Technischen Hochschule in Merseburg. Von 1970 – 1974 studierte er Mathematik (Analysis) und Stochastische Modelle der Operationsforschung an der Technischen Hochschule in Merseburg und an der Martin-Luther-Universität-Halle-Wittenberg.

Von 1976 bis 1978 promovierte Dr. Burkhard Schröder an der Humboldt-Universität zu Berlin zum Dr. oec. (doctor oeconomiae) cum laude. Das Thema seiner Doktorarbeit lautete:
“ Regressionsuntersuchungen unter besonderer Berücksichtigung nichtlinearer Modelle – dargestellt an ausgewählten ökonomischen Erscheinungen“

Nach dem Studium arbeitete Dr. Burkhard Schröder von 1974 -1981 im VEB (Volkseigenen Betrieb) Informationsverarbeitung Potsdam, wo er sich mit Softwareentwicklung und Problemanalysen im Rechenzentrum für Bezirksgeleitete Industrie in Potsdam befasste. Von 1981 bis 1990 war er Leiter des Rechenzentrums an der Fachschule für Gesundheits- und Sozialwesen „Prof. Dr. Karl Gelbke“ in Potsdam.

Durch enge Kontakte mit dem Universitätsmitarbeitern in Halle an der Saale trat er 1972 der CDU bei, weil ihn im Statut dieser Partei das Ziel der Deutschen Einheit faszinierte. Als diese Ziel 1976 aus dem Statut gestrichen wurde, verließ er die CDU wieder. 1989 trat er der SDP (Sozialdemokratische Partei) in der DDR bei, die sich 1990 in SPD (Sozialdemokratische Partei Deutschlands) umbenannte. Von 1989 -1990 war er Vorsitzender des Ortsvereins der SDP/SPD in Falkensee. Von 1991 -1994 bekleidete er das Amt des Unterbezirksvorsitzenden der SPD im Landkreis Nauen und von 1994 bis 2010 im Havelland. 1990 wählte ihn der Kreistag des Landkreises Nauen zum Landrat. Nach der Fusion der Landkreise Rathenow und Nauen wurde er 1994 zum ersten Landrat des Landkreises Havelland gewählt. Am 06.06.2015 konnte er sein 25jähriges Dienstjubiläum als Landrat der beiden Landkreise Nauen und Havelland feiern, denn das Amt übt er bis jetzt (16.07.2015) aus. Er ist gern Landrat, allerdings haben gerade die ersten Jahre des Aufbaus der Kreisverwaltungen nach 1990 mehr Kraft gekostet, als erwartet.

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       Kreisverwaltung Rathenow 1901               Kreisverwaltung des Havellandes 2008

Dr. Burkhard Schröder heiratete am 17.08.1974 Petra Christina Bauer in Templin. Am 04.07.1976 wurde dem Ehepaar die Tochter Kathrin geboren. Im Laufe der Zeit hat sich doch eine engere Bindung an die Evangelische Kirche ergeben, sodass er sich am 12.12.2010 in der Kirche Neufinkenkrug (Falkensee) konfirmieren ließ. Sein Konfirmationsspruch lautete: „Lehre mich, in Treue zu Dir mein Leben führen. Du bist doch der Gott, bei dem ich Hilfe finde; auf Dich hoffe ich zu jeder Zeit” (Psalm 25,5). Am 21.08.1996 trat er dem Förderkreis zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow e. V. bei und ist laut Satzung ein geborenes Mitglied im Kuratorium des Förderkreises. Er bemühte sich erfolgreich um Spenden für den Wiederaufbau der Kirche von der Mittelbrandenburgischen Sparkasse in Potsdam.

clip_image014Der Landrat Dr. Burkhard Schröder
pflanzt zum zehnjährigen Bestehen des Förderkreises
am 15.09.2006
ein Linde auf dem Kirchplatz in Rathenow

Dr. Burkhard Schröder lebt heute in Falkensee und liebt seine Familie, sein Haus und seinen Garten. In seiner kargen Freizeit geht er zur Jagd und spielt auch gern Tennis oder Volleyball.
Am 30.03.2016 beendete er die Tätigkeit als Landrat und widmete sich anderen Aufgaben im Ruhestand.

© Dr. Heinz-Walter Knackmuß 16.07.2015

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Biografien

75. Geburtstag von Wolfgang Schröder

von Dr. Heinz-Walter Knackmuß 10. Mai 2015 22:25

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Der gebürtige Rathenower Wolfgang Schröder feierte am 05.05.2015 mit vielen Gästen auf Schloss Burg an der Wupper seinen 75. Geburtstag. Der Auftakt des Festes war eine Andacht in der ehrwürdigen Schlosskapelle, die der Pfarrer Holger Treutmann von der Frauenkirche in Dresden hielt. Im Rittersaal des mittelalterlichen Schlosses nahmen die Gäste an runden Tischen Platz und es begann ein Viergängemenü, das von einem bunten Programm mit Musik und vielen Würdigungen des Jubilars umrahmt wurden.

                           clip_image004clip_image006
                                                       Begrüßung

                                                        Video

Höhepunkt des Festes war ein kleines Konzert von Prof. Helge Dorsch, der mit der “Petersburger Schlittenfahrt“ mit seiner Frau zusammen am Flügel einen bunten Melodienreigen eröffnete und dem Geburtstagskind damit einen Wunsch erfüllte. Prof. Dorsch hatte aber noch eine Sopranistin und einen Heldentenor mitgebracht, die mit seiner Begleitung bekannte Arien aus dem Freischütz „Kommt eine schlanker Bursch gegangen“ und andere Kunstwerke zu Gehör brachten. Es gab auch einen Tanzreigen nach mittelalterlichen Melodien, wobei die Tänzerinnen und Tänzer die Gäste aufforderten in den Reigentanz einzustimmen, was viel Freude machte.

          clip_image008                                              Mittelalterliche Reigentänze

                                                              Video

Wolfgang Schröder hat sich nicht nur für den Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow engagiert, sondern auch für den Wiederaufbau der Frauenkirche in Dresden und für seine eigene Evangelische Kirche in Wengern (Wetter an der Ruhr). Zu seinem 75. Geburtstag spendete er den Emporenstifterbrief Nr. 75 für den Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow. Der Förderkreis bedankt sich für die Spende und wünscht dem Jubilar Gottes Segen für das neue Lebensjahr.

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Biografien

Biografie von Siegfried Bartel

von Dr. Heinz-Walter Knackmuß 31. März 2015 11:43

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Siegfried Fritz Bartel wurde am 18.03.1924 in der Seegersallee 4 in Neue Schleuse, Kreis Jerichow II (heute Rathenow-West) geboren. Er wurde von Pfarrer Lüdecke getauft. Der Vater Fritz Albert Georg Bartel hatte bei der Geburt seines Sohnes ein Fuhrgeschäft gegründet und belieferte die Menschen im Kreis Jerichow II mit Kohlen, Baustoffen und Futtermittel. Seine Mutter Gertrud Bartel, geborene Nowak, hatte bis zur Hochzeit als Mamsell (Köchin) auf dem Gut Nennhausen gearbeitet.

 

clip_image002Gertrud und Fritz Bartel
im April 1958
bei er Konfirmation
von Gerd Greven

 

Er wuchs mit seiner Schwester Sieglinde auf, die am 04.09.1929 geboren worden war. Von 1930 – 1938 besuchte er die Grundschule in Neue Schleuse, die vom Rektor Willi Zimmermann geleitet wurde. 1938 wurde er von Pfarrer Heine in Neue Schleuse konfirmiert.

clip_image004Gertrud und Fritz Bartel

Von 1938 – 1941 absolvierte Siegfried Bartel eine Lehre als Kaufmann bei der Firma Erich Laudahn in der Fehrbelliner Straße in Rathenow. Erich Laudahn handelte mit Kohlen und Baustoffen. Nach dem Abschluss der Lehre arbeitete er kurze Zeit als Flugzeuggeräteverwalter auf dem Flughafen Stettin-Altdamm, wurde am 1941 zum Arbeitsdienst und 1942 zum Wehrdienst eingezogen und kam zum Grenadier Einsatz Bataillon 458 nach Stralsund. Nach einer vierwöchigen Grundausbildung in Rawitsch an der schlesisch-polnischen Grenze wurde er zum Truppenübungsplatz Neustettin versetzt, kam aber durch einen Sabotageakt auf der Bahnstrecke von Posen nach Norden erst drei Tage später an. Seine Einheit, die nach Russland fahren sollte, war durch andere Soldaten ersetzt worden und so kam er über Holland und Belgien nach Südfrankreich auf einen Truppenübungsplatz in der Nähe von Bordeaux. Dort erfolgte die Neuaufstellung einer im Osten aufgeriebenen Einheit und Siegfried Bartel kam zum Grenadier Regiment 522. Nach etwa vier Wochen wurde die Einheit in Richtung Jugoslawien in Marsch gesetzt und zwar über Straßburg und Wien. Siegfried Bartel gehörte zur Stabskompanie und wurde in Petrovac, südlich von Belgrad einquartiert.

Die Soldaten suchten in dem Teil des jugoslawischen Banats den Kontakt zu den dort lebenden Deutschen, wurden aber sehr von Partisanenangriffen geplagt. Als 1943 die Italiener das von ihnen besetzte Albanien verließen, musste er mit seiner Kompanie sofort nach Tirana in die ehemaligen italienischen Kasernen einziehen. Flöhe, Wanzen und Läuse und die Lufttemperaturen von 40-50 Grad Celsius machten den Soldaten das Leben schwer. Dazu kamen auch hier die nadelstichartigen Angriffe der Partisanen. Siegfried Bartel hatte das Amt des Kochs übernommen und machte seine Sache recht gut. Als seine Kompanie an die Küste zum Cap Radoni verlegt wurde, bekam er Malaria und erhielt anschließend 20 Tage Heimaturlaub, die viel zu schnell vergingen. 1944 rückte aber auch das Kriegsgeschehen der Alleierten immer näher an die Adria und Bombardements in Wien und Klagenfurt wurden gemeldet. Amerikanische Langstreckenbomber durchzogen das Land. Im August 1944 erging der Befehl nach Deutschland zurückzukehren, um sich neu zu formieren. Der Rückzug gestaltete sich verlustreich und schwierig, denn die russische Armee war schon weit nach Westen vorgedrungen und versperrte den reibungslosen Rückzug nach Deutschland. Auch die Engländer waren schon weit in Europa eingedrungen. Der Bataillonskommandeur Major Frank, ein alter preußischer Offizier, empfahl den Soldaten nach Klagenfurt zu den Engländern überzulaufen. Ein Zehntel von den Ausgerückten Soldaten, etwa 100 - 150 Mann, kamen so in englische Gefangenschaft. Die deutschen Überläufer wurden gefragt, ob sie mithelfen würden, die österreichisch-jugoslawische Grenze gegen raubende Zivilisten und Partisanen zu schützen. Natürlich war Siegried Bartel dazu bereit. Er wurde dann von Klagenfurt nach Aalen gebracht und kam dann nach Wunsdorf bei Hannover und ließ sich zu seinem Onkel nach Lübeck entlassen, weil er nicht in die russisch besetzte Ostzone wollte.
In Lübeck wurde er von seiner Tante und dem Onkel freundlich aufgenommen, beschaffte sich aber bald eine Arbeit bei einer Bekleidungsausgabestelle und ein eigenes Zimmer. In
Lübeck traf er auch eine Freundin seiner Schwester, Ulla Stoffregen, der er behilflich sein konnte. Er erhielt auch Post von seiner Mutter, dass die Russen den Vater mitgenommen hätten und die örtlichen Kommunisten den Betrieb besetzt hatten. So stand es für Siegfried Bartel fest, dass er sofort nach Rathenow zurück musste. Auf abenteuerlichen Wegen erreichte er zwischen Weihnachten und Neujahr 1945 das zerstörte Rathenow. Als er am nächsten Tag mit dem Bürgermeister Franz Archut vorsprach, wurde ihm bedeutet, dass der Betrieb seines Vaters enteignet werde und auf dem Grundstück andere Handwerker angesiedelt werden sollten. Außerdem sollte er sich für die Demontage einer Pulverfabrik in Klietz bereithalten. Wegen einer Parodontose (Zahnfleischentzündung) musste Siegfried Bartel aber den Zahnarzt Dr. Blank in Neue Schleuse aufsuchen, der ihn zum einem Spezialisten nach Genthin überwies. Der Genthiner Kieferchirurg schrieb einen Befund an Dr. Blank, dass er den Patienten nicht für die Demontagearbeiten für geeignet halte. Sehr zum Ärger des Bürgermeisters musste er nach Untersuchung durch den Lagerarzt in Klietz diese Arbeit nicht ausführen. Siegfried Bartel hatte einen Antrag auf Gewerbe beim Bürgermeister gestellt, der umgehend abgelehnt wurde. Auch Versuche in Genthin und in Magdeburg beim Kohlehändlerverband blieben erfolglos. Beim Besuch des Zahnarztes hatte er Fräulein Feige, die resolute Haushälterin von Dr. Marcus, getroffen, die ihm den Rat gab zu Frau Hirschfeld zu gehen, um die Adresse ihres Sohnes in Erfahrung zu bringen, der in Berlin im Innenministerium der Sowjetzone als „Vortragender Rat“ beim Justizminister Scheffer tätig war. Sein Vater, Fritz Bartel, hatte auf einer Nazi-Versammlung in Rathenow gehört, dass man den Sohn des Juden Hirschfeld nach der Versammlung verprügeln wollte und verabschiedete sich unter einem Vorwand frühzeitig und fuhr sofort zu Familie Hirschfeld, die an der Böhner Chaussee wohnte und riet dem Sohn unverzüglich zu fliehen. Der Sohn konnte dadurch gerettet werden. Siegfried Bartel fuhr zu Frau Hirschfeld, die ihm die Dienstadresse des Sohnes und einen Brief an den Sohn mitgab. Zwei Tage später war er in Berlin im Innenministerium. Der Wachmann wollte ihn nicht bei Dr. Hirschfeld anmelden, aber der Brief der Mutter half nach. Nach 15 Minuten kam Dr. Hirschfeld und Siegfried Bartel konnte sein Anliegen vorbringen. Dr. Hirschfeld lud ihn ein, in seine Wohnung nach Berlin-Wannsee zu kommen, wo man alles in Ruhe besprechen könnte. Nachdem er Dr. Hirschfeld sein Schicksal berichtet hatte, meinte der, die Enteignung würde er sofort niederschlagen. Zur Gewerbeerlaubnis sagte er, dass er in Magdeburg den Vorsitzenden des Antifa-Blockes (Zusammenschluss der antifaschistischen Blockparteien), einen SPD-Mann kennen würde, mit dem er am folgenden Tag telefonieren wollte. Zur Verhaftung seines Vaters machte er ihm wenig Hoffnung, da die russischen Dienststellen keine Auskünfte gäben. Er blieb noch eine Nacht bei Dr. Hirschfeld und fuhr voller Hoffnung wieder nach Hause. Nach acht Tagen hatte er die Niederschlagung der Enteignung in Händen und erhielt einen Anruf vom Landratsamt in Genthin, dass er beim Gewerbeamt und bei der Kohlenstelle vorbeikommen sollte. Genthin war die Kreisstadt des damaligen Landkreises Jerichow II, wozu Neue Schleuse gehörte. Am nächsten Tag fuhr Siegfried Bartel die 30 km mit dem Fahrrad nach Genthin und erhielt die schon vorbereitete Gewerbegenehmigung. Der Abteilungsleiter der Gewerbestelle entschuldigte sich bei ihm und meinte, dass der Antrag auf die falschen Berichte des Bürgermeisters hin abgelehnt worden war. Anschließend erhielt er von Herrn Sieg, dem Leiter der Kohlenstelle eine Freigabe für 30 Raummeter Brennholz, denn an Kohlen war nicht zu denken, da alle Brikettfabriken nur für die russische Rote Armee arbeiten mussten. Als Siegfried Bartel wieder nach Hause kam, lag eine Verpflichtung des Bürgermeisters vor, er solle in der Schule einen Tag lang Jauche von der Toilette in den Garten schöpfen. Bei dieser Arbeit kam er auch mit dem ehemaligen Rektor Zimmermann und seine Frau ins Gespräch. Das Ehepaar bat ihn, falls er bei seinem Geschäft jemand im Büro suchte, an ihre Tochter zu denken, die in der Altmark in der Landwirtschaft arbeiten musste, was er versprach. Siegfried Bartel selbst schreibt über diese Zeit. Und nun? Kein Pferd, kein Auto , kein Werkzeug, alles weg. Durch Zufall konnte ich ein altes Motorrad kaufen. Auf dem Gutshof in Großwudicke entdeckte ich einen alten Kreissägebock mit Blatt, aber ohne Motor. Mit einem alten PKW-Anhänger, den ich mir ans Motorrad band, wurde die Säge herangeholt und aufgearbeitet. In einer leeren Fabrik in Rathenow fand ich einen großen Elektromotor. Von unserer Häckselmaschine wurde der Treibriemen von einem Sattler auf die passende Länge gebracht, und schon war die Säge fertig. Ich sprach Franz Schubert aus der Gebhardtstraße an, der Besitzer eines kleinen Treckers war, ob er mir nicht das Holz aus Wudicke holen wollte. Und schon konnte die Arbeit losgehen. Mit der Ausgabe von Lebensmittelkarten wurden auch Sondermarken für besondere Artikel wie Holz ausgegeben. Vom Landratsamt wurde die Menge festgesetzt. In der Gebhardtstraße befand sich eine russische Bäckerei. Ein Offizier kam zu mir und beauftragte mich gegen Bezahlung Holz zu sägen. Außerdem fiel für die Kollegen ein Kommissbrot ab. Nach ein bis zwei Monaten bekam ich vom Landratsamt den Hinweis, dass bei Lieferung von Naturalien von den Brikettfabriken die doppelte Menge an Kohlen eingetauscht werden könnte.

clip_image006Die Anfänge des
Fuhrunternehmens

Ich hörte mich bei den Bauern der Umgebung um. Es bestand Interesse. So konnte ich die ersten 150 Zentner vermitteln. Nach Absprache mit dem Direktor der Kohlehandelszentrale, den ich durch meinen Lehrbetrieb und durch meinen Vater kannte, wurde mir ein voller Waggon mit Briketts geliefert. Die Nachfrage bei den Bauern wurde größer, die Umtauschquote konnte ich noch zu meinen Gunsten verbessern, und so hatte ich mir schon einen kleinen Überschuss geschaffen. Mit diesem Resultat fuhr ich nach Genthin und bot dem Leiter der Kohlenstelle an, kleinere Mengen an Kohlen an die Bäckereien auszuliefern. Der Leiter der Kohlenstelle bat mich, mit ihm zum Landrat Albrecht in Genthin zu gehen, damit dieser von der Redlichkeit überzeugt werden könne, da der Bürgermeister Archut jede Gelegenheit nutzte, um mich schlecht zu machen. Der Landrat sagte noch zu mir, wenn ich Probleme hätte, solle ich zu ihm kommen. Bei einer Autofahrt mit dem Kreisbaudirektor nach Halle, unternahm ich den Versuch, bei der ehemaligen Firma „Norddeutscher Zementverband“ geschäftliche Beziehungen aufzunehmen. Auch dort ging es nach dem Motto „Zement für Naturalien“. Ich konnte 10 Tonnen Zement mit einer Freigabe abholen. Bei der Rückfahrt war eine der ersten Fragen des Kreisbaudirektors: “Na, Herr Bartel, natürlich ohne Erfolg? Ich habe doch selbst schon alles versucht und nie etwas erreicht.“ Auch das lief gut an und nach vier Wochen konnte der Kreisbaudirektor fünf Tonnen Zement für die Ausbesserung einer Brücke in Sandau erhalten. Auf einer Versammlung der Kohlehändler des Kreises Genthin wurde uns eine Abholbescheinigung für 150 Tonnen Briketts ab Fabrik Bergwitz bei Wittenberg angeboten. Der Händler müsste aber die Abfuhr ab Werk selbst organisieren. Dieselkraftstoff stünde zur Verfügung. Keiner der 20 Versammelten traute es sich zu. Ich bat um zwei Tage zur Entscheidung, die man mir zusagte. Die Kollegen belächelten mich. Schon auf der Rückfahrt suchte ich zwei Fuhrbetriebe auf. Die Firma Hartung in Neuenklitsche hatte einen 12 Tonnenlastzug. Die zweite Firma Giese in Bützer sollte den Rest erledigen. Beide Firmen konnten aber erst in 14 Tagen die Transporte übernehmen. Ich rief trotzdem in Genthin an und holte den Schein, obwohl der Abholtermin kürzer war. Am nächsten Tag fuhr ich mit drei Kollegen mit Forken und Schippen nach Bergwitz zum Bürgermeister mit der Frage: „Ich suche einen Platz, um Briketts zwischenzulagern.“ Er nannte mir eine ehemalige Hühnerfarm der Firma Tamm. Wir wurden uns einig. Von dort fuhr ich in die Brikettfabrik, vor der eine lange Schlange wartender Fahrzeuge stand. Dort sprach ich ein paar Fuhrleute an, ob sie im Nachteinsatz die 150 Tonnen Briketts zur Firma Tamm fahren könnten. Sie sagten mir das zu bei Gestellung von Dieselmarken. Ich meldete mich auf der Rückfahrt in Genthin mit dem Bescheid, die Kohlen sind für den Kreis in Bergwitz auf Lager und werden auf Anweisung ausgeliefert. “Wir geben Ihnen für den nächsten Monat einen Schein über weitere 250 Tonnen und hoffen auf Ihre Hilfe. Außerdem, kommen Sie, wir gehen sofort zum Landrat zur Erfolgsmeldung,“ war das Echo im Amt. Dort drückte mir der Landrat seinen Dank aus und sagte: „Solche jungen Leute wie Sie brauchen wir in dieser Zeit.“ Als die ersten LKW mit Kohlen eintrafen, und ich abends davon noch eine Fuhre bei zwei Bäckereien entlud, machte der Bürgermeister bei der Polizei Anzeige, ich hätte Kohlen bi Nacht verschoben. Er wurde danach zum Landrat gerufen und bekam eine Standpauke, wie mir der Leiter der Kohlenstelle sagte, der dabei war und mir wohlgesonnen war.

Ich hatte inzwischen einen Betrieb mit fünf Beschäftigten aufgebaut. Im Büro war Fräulein Ursula Zimmermann für die Buchhaltung und alles Schriftliche eingestellt worden. Karl Krüger war für den Verkauf zuständig. An der Säge arbeiteten zwei Männer und ein Mann fuhr mit Franz Schubert, um Holz und anderes heranzuholen. Durch einen Zufall fand ich einem Sammellager in Rathenow einen alten LKW der technischen Nothilfe Berlin, einen NAG (Nationale Automobil Gesellschaft) Protos, Baujahr 1920 mit Konuskupplung und Kulissenschaltung. Ich stellte noch einen jungen Autoschlosser, Helmut Mattusch, ein, der dieses alte Vehikel zum Laufen bringen sollte. Irgendwo entdeckten wir noch einen Imbert-Holzgenerator, und nach vier bis sechs Wochen gab er die ersten Töne von sich. Die Freude war groß. Wir konnten nun selbst ohne fremde Hilfe Waren für die Bevölkerung heranholen, zum Beispiel Nasspresssteine aus Genthin oder Torf aus Ferchels am Schollener See. Ende 1946 Anfang 1947 erfolgten auch die ersten Lieferungen an Braunkohle und Briketts vom Großhandel, um die Bevölkerung zu versorgen. Ich hatte schon die alten Orte, die mein Vater schon belieferte in meinen Kundenkreis aufgenommen. Es waren Neue Schleuse (heute Rathenow-West), Göttlin, Grütz, Böhne, Vieritz und Zollchow mit Galm. In der Zwischenzeit war mein gutes und freundschaftliches Verhältnis zu Fräulein Ulla Zimmermann nach meiner, wie unter jungen Leuten üblichen Überzeugung, so weit gekommen, dass wir heiraten wollten. Böse Leute sagte, ich wollte das Gehalt meiner Hauptbuchhalterin sparen. Der Entschluss stand fest. Also auf in den Kampf zur Absegnung durch die Schwiegereltern. Man tat dort so, als würde man von allem nichts gemerkt haben, und mein ehemaliger Rektor stellte mir die Frage: “Welche willst Du denn haben?“ Ich wollte die sanfte und liebe kleine Ulla, die ich noch bequem im Arm tragen konnte.

clip_image008Rektor Willi Zimmermann und seine Frau Marie

Der 27.09.1947 wurde als Hochzeitstag festgelegt. Alle Vorbereitungen auf das Fest konnten geplant und eingeleitet werden. Karnickel-, Hühner- und Ziegenbraten und anderes wurde von den Müttern ins Gespräch gebracht. Listen der Einzuladenden wurden erstellt. Wein, Likör und harte Sachen wurden gehamstert. Ein großes Problem waren die beiden Eheringe. Ein Uhrmacher aus Neue Schleuse erklärte sich bereit, bei einem Anteil von Goldabgabe die Ringe mit Gravur zu liefern. Es war nach dem Krieg (1939 -1945)eine der ersten größeren Hochzeiten mit viel Aufmerksamkeit der Bevölkerung. Die Veranda war alles voller Blumen. Leider fehlte mein Vater, was von allen bedauert wurde. Pastor Krause traute Siegfried Bartel mit Maria Ursula Zimmermann (31.03.1919 -17.12.1987) in Neue Schleuse.

clip_image010Ursula Bartel

Nach 14 Tagen machten wir eine Hochzeitsreise in den Harz. Wir waren glücklich, es so weit geschafft zu haben. Wir verlebten im Harz ein paar herrliche Tage. Bad Blankenburg und Umgebung wurde durchwandert. In den Gaststätten gab es schon mal unter Abgabe von wenig Fett- und Fleischmarken herrliche Pilzbouletten, die uns als etwas ganz Neues beeindruckte. Die Zeit verging wie im Fluge. Zu Hause wieder angekommen, erwartete uns viel Arbeit. Aber wir waren jung und die Arbeit machte uns auch bei geringem Erfolg Freude.

clip_image002[1]von links: Ursula Bartel, Siegfried Bartel mit Schwester
Sieglinde Klose, geb. Bartel

Am Wochenende waren wir oft mit dem Motorrad in der Altmark, um die Zimmermannsche und Arnussche Sippe zu besuchen. Am 05.06.1949 wurde unser Sohn Wilfreid und am 17.02.1957 unser Sohn Ekkehard geboren. Wir waren glücklich, dass sich unsere Kinderwünsche erfüllt hatten.

clip_image012Ursula Bartel mit Sohn Ekkehard

Soweit der persönliche Bericht von Siegfried Bartel über die schwierigen Zeiten nach dem Krieg. Seine organisatorische und kaufmännische Begabung und sein Fleiß halfen ihm viele Hindernisse zu überwinden und seinen kleinen Betrieb geschickt durch die Wirren der kommunistischen Willkür zu führen. Eine große Freude war die Rückkehr des Vaters im August 1948 aus dem KZ Buchenwald. Er war bis zum Skelett abgemagert und seine Frau päppelte ihn geduldig wieder auf und beide Eltern widmeten sich erfolgreich der Aufzucht von Schweinen, Kälbern und Rindern. Bis 1950 ging es mit dem Betrieb ständig aufwärts, sodass zeitweilig bis zu 10 Beschäftigte angestellt werden konnten. 1948 war eine Gebietsreform in Kraft getreten und Neue Schleuse, Göttlin, Grütz , Steckelsdorf, Böhne, Vieritz und Zollchow kamen zum Kreis Rathenow im Bezirk Potsdam. Der Betrieb hatte sich zu einem reinen Gütertransportunternehmen entwickelt. 1957 musste die Transportleistungen für ein Jahr zum Einsatz im Betrieb „Schwarze Pumpe“ bei Spremberg zur Verfügung gestellt werden. Danach war die Firma Bartel hauptsächlich auf Baustellen im Einsatz. Es gab natürlich nach wie vor kleinliche Behinderungen bei der Zuteilung von Benzin. Aber auch dieses Problem konnte Siegfried Bartel durch geschicktes Verhandeln aus dem Weg räumen. „Ich habe immer versucht, Probleme möglichst gütlich zu lösen, es hat sich oft als der bessere Weg bezahlt gemacht.“ 1986 übergab Siegfried Bartel sein Unternehmen an seine beiden Söhne und verlebte mit seiner Frau Ursula ein gutes Jahr ohne den Druck eines Betriebes im Nacken zu haben. Rückblickend war es für das Ehepaar Bartel ein erfülltes Jahr, denn seine Frau starb am 17.12.1987. Mit 63 Jahren fühlte er sich noch zu lebendig, um keine neue Bindung einzugehen. Nach einem sehr behutsamen Werben um eine neue Partnerin, heiratete er in Rathenow am 28.04.1989 Gisela Gudrun adoptierte Flügge, geborene Zollenkopf.

clip_image014Siegrfried Bartel mit seiner Frau Gisela

Die Trauung fand durch die Schwester der Braut, Pfarrerin Dorothea Hallmann, in der Dorfkirche in Hohennauen statt. Der Trauspruch lautete: Gott spricht: ich will mit dir sein. Ich will dich nicht verlassen noch von dir weichen. Sei getrost und unverzagt. Josua 1,5-6

clip_image016Gisela und Siegfried Bartel mit ihren Kindern und Enkeln
am 85. Geburtstag von Siegfried Bartel

Siegfried Bartel ist ein Mensch, der an historischen Dingen interessiert ist. Besonders die Heimatkunde hat es ihm angetan. Er besitzt ein umfangreiches Archiv. Er hat seine Ziegelsteinsammlung vor Jahren an das Rathenower Heimatmuseum verschenkt. Am 23.03.2015 trat er dem Förderkreis zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow bei, weil er den Wiederaufbau des Gotteshauses unterstützen möchte.

clip_image018Gisela und Siegfried Bartel

Mit zunehmenden Alter hat ihn eine tiefe Frömmigkeit ergriffen. Er sieht auch in den Dingen des Alltags Gottes Wirken.

imageGisela und Siegfried Bartel
am 01.07.2007
im Hof der Lutherkirche in Rathenow

Am 23.06.2016 hat ihn Gott nach einem reich erfüllten Leben im Alter von 92 Jahren zu sich genommen.


Nachruf

clip_image002(*18.03.1924 - † 23.06.2016)


Und meine Seele spannte

Weit ihre Flügel aus,

Flog durch die stillen Lande,

Als flöge sie nach Haus.
(Joseph von Eichendorff)


Am 23.06.2016 hat Gott der Herr, gelobt sei sein Name, Siegfried Bartel nach einem reich erfüllten Leben im gesegneten Alter von 92 Jahre zu sich genommen. Er war ein Rathenower, der sich nach dem Zweiten Weltkrieg in schlimmen Nachkriegszeiten sehr um die Stadt verdient gemacht hat und die große Not durch sein kaufmännisches Geschick zu lindern suchte.
Die Trauerfeier fand am Freitag, den 08.07.2016 auf dem Friedhof in Rathenow-West statt.

Statt Blumen  bat  die Ehefrau um eine Spende für den
Förderkreis zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche: DE07160919940001070100 oder 
für die Deutsche Kriesgsgräberfürsorge DE74160500004853321182.

Wir sind traurig.

© Dr. Heinz-Walter Knackmuß

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Biografien

Biografie von Gisela Bartel

von Dr. Heinz-Walter Knackmuß 28. März 2015 21:52

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Gisela Gudrun Bartel, adoptierte Flügge, geborene Zollenkopf, wurde am 09.06.1937 in Lichtfelde, Kreis Stuhm (Westpreußen) geboren.

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Der Vater, Hans Theodor Ernst Zollenkopf war Pfarrer in Lichtfelde und hatte in Königsberg an der Albertus-Universität Theologie studiert. Der Vater war am 14.01.1908 in Freystadt (Westpreussen) geboren worden. Die Geburtsurkunde befindet sich im Familiebesitz.

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Nachdem der Vater am 28.09.1932 vor des Prüfungskommission des Evangelischen Konsistorium der Provinz Ostpreußen die erste theologische Prüfung mit dem Prädikat „im ganzen gut“ bestanden hatte, erhielt er am 22.10.1932 vom Konsistorium die Urkunde, mit der er ins Vikariat nach Gardienen gehen konnte. Am 27.09.1934 legte er vor der Prüfungskommission des Evangelischen Konsistoriums der Provinz Ostreußen die zweite theologische Prüfung erfolgreich ab und konnte sich nun auf eine Pfarrstelle bewerben.

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Hans Zollenkopf

Die Mutter Charlotte Zollenkpf, geborene Dallach, hatte in Königsberg an der Albertus-Universität Philologie studiert und dort ihren späteren Mann kennengelernt. Sie war nach dem Studium ein Jahr lang Hauslehrerin in Wargenau bei Cranz (Ostpreußen). Sie unterrichtete damals die 13jähriger Beate Köstlin, die später als Beate Uhse ein Verkaufsimperium mit Sexartikeln aufbaute. Ein Zeugnis von 1932 gibt darüber Auskunft.

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Otto Köstlin                                                          Wargenau, den 29.IX.1932
Wargenau
Post und Bahn Cranz Ostpr.
Fernruf Cranz 25
Postscheckkonto:
Königsberg Pr. 3297

Frl. Charlotte Dallach hat vom 20.I.32 an unsere 13j. Tochter im Pensum der Untertertia (Fremdsprachen: Englisch, Latein) unterrichtet. Sie hat das lebhafte Kind zu fesseln verstanden und erreicht, dass es jetzt bei der Wiedereinschulung auf der Höhe der Klasse ist. Frl. Dallach hat sich auch außerhalb des Unterrichts, besonders sportlich, mit ihrem Zögling beschäftigt und hat sich die Zuneigung des Kindes erworben. Frl. Dallach war uns ein lieber Hausgenosse – wir wünschen ihr beim Scheiden alles Gute für die Zukunft.
                                                                               Frau Dr. Köstlin

 

clip_image012Charlotte Zollenkopf

Nach der Heirat arbeitete die Mutter als Lehrerin in Lichtfelde. Gisela Bartel wuchs mit ihrer älteren Schwester Liselotte Käte Zollenkopf, geboren am 03.01.1936 auf. Die Eltern von Giesla Bartel gehörten den „Deutschen Christen“ an. Die „Deutschen Christen“ (DC) waren eine rassistische, antisemitische und am Führerprinzip orientierte Strömung im deutschen Protestantismus, die diesen von 1932 bis 1945 an die Ideologie des Nationalsozialismus angleichen wollte. Viele evangelischen Christen in Deutschland erlagen damals den Verführungskünsten der Nazis. Die 1934 gegründete Bewegung der „Bekennenden Kirche“ versuchte innerhalb der Reichskirche eine vom Evangelium geprägte Kirchenstruktur aufzubauen. Ein Schriftstück zur Wahl des Hans Zollenkopf als Pfarrer der Gemeinde Lichtfelde, zeigt durch die Unterschrift mit „Heil Hitler!“ wie tief die Verblendung der Menschen reichte.

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Evangelisches Pfarramt                                                  Mgr., den 26.8.1935
Lichtfelde, Krs. Stuhm
Fernruf 28
Herrn Hilfsprediger Hans Zollenkopf
Gardienen
Im Auftrag des Gemeindekirchenrates Lichtfelde teile ich Ihnen hierdurch mit, daß Sie in der ordnungsgemäßen Sitzung der kirchlichen Körperschaften am 25.08.1935 mit 15 Ja –und 0 Neinstimmen, also einstimmig, zum Pfarrer der Gemeinde gewählt worden sind.

Siegel                                                                                Heil Hitler!
der Kirchengemeinde                                                        I. A. B. Malz
Lichtfelde                                                                         cand. theol.

clip_image002[1]Weihnachten 1944 
in Lichtfelde (Westpreußen)
Video

Gisela Bartel wurde am 25.07.1937 vom Vater in Lichtfelde getauft.

clip_image016Kirche in Lichtfelde

1943 wurde Gisela Bartel in die Volksschule in Lichfelde eingeschult. Der Vater Hans Zollenkopf fiel am Ladogasee in Russland. Es war für Gisela Bartel wichtig, bei einer Feierstunde in Sologubowka am 01.08.2010 dabei zu sein, um von ihrem Vater Abschied nehmen zu können. Sie flog mit anderen Angehörigen nach Sankt Petersburg und legte 67 Jahre nach seinem Tode fünf rote Rosen an eine Stele, wo auch der Name Hans Zollenkopf (* 01.04.1908 – †12.08.1943) eingraviert war. Der Altbundeskanzeler Gerhard Schröder war auch unter den Gästen und hielt zur Feierstunde die Gedenkansprache, weil sein Vater, der in Rumänien gefallen war, durch den Volksbund der Kriegsgräberfürsorge gefunden wurde. Der Volksbund der Kriegsgräberfürsorge hatte auch die russisch–orthodoxe Kirche „Mariä Himmelfahrt“ in dem kleinen Dorf wieder aufgebaut, sodass sie der Dorfbevölkerung zur Verfügung steht. In ihren Gewölben sind die Namenslisten der dort beigesetzten 80.000 deutschen Soldaten einzusehen.

clip_image018Wehrpass des Vaters

Die Mutter und ein Kindermädchen machten sich mit den beiden Kindern im Januar 1945 auf den Weg nach Borna bei Leipzig. Die Mutter war schon schwerkrank und starb im Juni 1945 an einem Krebsleiden. Das Kindermädchen sorgte nun unter schweren Umständen für die beiden Waisenkinder bis sich ein Rechtsanwaltehepaar in Sangerhausen fand, das die beiden Mädchen 1946 aufnahmen. Da die Frau aber an eienr psychischen Erkrankung litt, nahm sie ein Onkel Lothar Zollenkopf in Mecklenburg auf, der selbst vier zum Teil schon erwachsene Kinder hatte und in Muchow Pfarrer war.

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Weihnachten in Muchow 1946 
Video

 

Er zog auch noch die vier Kinder seiner verstorbenen Schwester auf, sodass insgesamt zehn Kinder im Haushalt zu betreuen waren. Als einmal in einem Kirchlichen Amtsblatt darüber geschrieben wurde, fand sich 1948 ein ehemaliges ostpreußisches Pfarrerehepaar Flügge nun in Rehfelde bei Strausberg, die nur eine eigene Tochter Dorothea hatten, aber gern noch zwei Kinder adoptieren wollten. Als Hildegard Flügge die Familie in Muchow besuchte, fiel den beiden Kinder sofort die Ähnlichkeit zur verstorbene Mutter auf und man vereinbarten erst einmal einen Besuch während der großen Ferien in dem Pfarrhaus Rehfelde bei Berlin. Doch aus dem Ferienbesuch wurde eine Adoption für die beiden Geschwister Liselotte und Gisela und so lebten sie dann mit ihrer neuen zwei Jahr jüngeren Schwester Dorothea in Rehfelde. Die drei Kinder verstanden sich großartig miteinander.

 

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Rehfelde - Weihnachten 1948
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Die Adoptiveltern gehörten unter den Nationalsozialisten zu den Bekennenden Christen und brachten für die beiden Schwestern ganz neue Auffassungen in ihr Leben.

clip_image020Ehepaar
Hildegard und Theophil Flügge

Natürlich besuchte Gisela Bartel die Grundschule in Rehfelde und beendete dort 1951 die 8. Klasse. 1951 war sie von ihrem Adoptivvater Theophil Flügge in Rehfelde konfirmiert worden. Ihr Konfirmationsspruch lautete: „ Ich will dir geben die heimlichen Schätze und die verborgenen Kleinode, auf dass du erkennest, dass ich dich bei deinem Namen rief, da du mich noch nicht kanntest. (Jesaja 45,3-5) Von 1951 – 1953 ging sie zur Oberschule in Waldsieversdorf. Wegen der Zugehörigkeit zur Jungen Gemeinde (Jugendverband in den Evangelischen Kirchen) wurde sie allerdings am 02.05.1953 von der Schule geworfen. Nach dem Arbeiteraufstand am 17.06.1953 in der DDR (Kommunister Ostteil von Deutschalnd nach dem Zweiten Weltkrieg) durfte sie aber wieder die Oberschule besuchen und schloss dort auch mit der 10. Klasse ihre Schulbildung ab. 1954 war sie ein Jahr lang im elterlichen Haushalt tätig und trat am 10.01.1955 in das Diakonissenhaus-Mutterhaus Potsdam- Hermanswerder ein.

clip_image022Gisela Bartel als Diakonisse

Von 1957 – 1959 besuchte sie die Krankenpflegeschule in Genthin und arbeitete danach von 1959 -1964 als examinierte Krankenschwester und Diakonisse im Infektionskrankenhaus Potsdam-Hermannswerder. Ihr Examen als Krankenschwester hatte sie mit Auszeichnung bestanden. Die Arbeit machte ihr große Freude, obwohl sie am liebsten mit behinderten Menschen gearbeitet hätte.

clip_image024von links: Gisela Bartel mit Schwester Dorothea Hallmann
und Schwester Lieselotte bei der Hochzeit
von Dorothea am 02.05.1964

Ab 1964 übernahm sie die Aufgaben der Oberschwester im Infektionskrankenhaus Potsdam-Hermannserder und erwarb berufsbegleitend 1966 die staatliche Qualifikation zur leitenden Schwester.

clip_image026Gisela Bartel mit ihren Geschwistern
rechts Liselotte und links Dorothea

Weihnachten 1955
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Der DDR-Staat bot für alle Diakonissen zwar die volle Bezahlung als Krankenschwestern an, weil sie die gleichen Aufgaben und noch mehr als die staatlich angestellten Schwestern erbrachten. Doch das Diakonissenmutterhaus lehnte das ab, weil man dachte, nun in staatliche Abhängigkeit zu geraten. Außerdem gehörte Armut zu den drei Grundsätzen des Lebens im Diakonissenhaus. So arbeiteten die Diakonissen für eine kleines Taschengeld. Die Leitungstätigkeit erforderte eine Gradwanderung zwischen den Satzungen des Mutterhauses, dem Respekt vor der hervorrangenden Arbeit, der immer kleiner werdenden Schar der Diakonischen Mitschwestern und den Rechten der immer größer werdenden Zahl an staatlichen Mitarbeitern. Ein Teil dieser Schwestern wollten unter einer konfessionellen gewerkschaftlich nicht organisierten Oberschwester nicht arbeiten, da diese ihre Interessen nicht vertreten konnte. Diese konflikt führte letztendlich dazu, dass Gisela Bartel sich zum 31.12.1975 von der Schwesternschaft löste. Ab 15.01.1976 nahm sie eine Arbeit als Krankenschwester in der Fachklinik für Lungenkrankheiten Beelitz–Heilstätten auf, wo sie zuletzt als Stationsschwester auf einer onkologischen station arbeitete. Sie war nach Fichtenwalde umgezogen und hatte ein kleines Eigenheim erworben. Sie war im Gemeindekirchenrat der Kirchengemeinde Fichtenwalde und Synodale im Kirchenkreis Lehnin. 1980 erwarb Gisela Bartel die Qualifikation als Fachkrkankenschwester für Pulmologie. Von 1985 -1990 war sie gewähltes Mitglied der Synode der Landeskriche Berlin-Brandenburg. Das Leben veränderte sich, als sie einen Brief von einer Freundin erhielt, die sie bat Kontakt mit dem 63jährigen ehemaligen Fuhrunternehmer Siegfried Bartel aus Rathenow aufzunehmen, dem seine Frau nach viezigjähriger Ehe gestorben war und der nun sehr allein wäre. Gisela Bartel streubte isch dagegen. Sie wollte nicht vermittelt werden, sondern sie wäre gern gefunden worden. Aber die Freundin ließ nicht locker und so stimmte sie einem unverbindlichen Treffen zu. Als sie aber zum geplanten Termin schwer erkrankte und ein Antibiotikum einnehmen musste, telefonierte sie mit dem Fuhrbetrieb in Rathenow und sagte einen Tag vor dem Treffen einer Mitarbeiterin den Termin ab. Zum vereinbarten Termin klingelte es aber an ihrer Haustür und Siegfreid Bartel stand mit einem Blumstrauß und einem Geschenkkorb vor der Tür. Gisela Bartel sagte zu ihm:“ Hat man Ihnen nicht ausgerichtet, dass ich die Begegnung abgesagt habe? Ich bin krank und kann wirklich keinen Besuch empfangen.“ „ Doch“, erwiderte der Mann, „das hat man mir ausgerichtet. Aber von meiner Cousine weiß ich, dass Sie allein leben. Als ich nun hörte, dass Sie krank sind, da war ich der Meinung, dass sich doch jemand um Sie kümmern muss. Ich habe alles in diesen Korb gepackt, was man als kranker Mensch brauchen kann. Und nun wünsche ich Ihnen gute Besserung.“ Siegfreid Bartel drehte sich um und ging zum Auto. Voller Dankbarkeit, Rührung und Staunen ließ er Gisela Bartel zurück. Sie setzte sich an ihren Schreibtisch und schrieb ihm den ersten Brief. Aus dieser ersten Begegnung entwickelte sich doch eine tiefe Bindung und am 15.01.1988 gab Gisela Bartel ihre Tätigkeit als Stationsschwester in der Fachklinik für Lungenkrankheiten Beelitz-Heilstätten auf und zog nach Rathenow zu Siegfried Bartel. Am 28.04.1989 traute sie ihre Schwester Pfarrerin Dorothea Hallmann in der Dorfkirche in Hohennauen (Kreis Rathenow). Der Trauspruch lautete: „Gott spricht: ich will mit dir sein. Ich will dich nicht verlassen noch von dir weichen. Sei getrost und unverzagt.“ (Josua 1,5-6) Sie nahm keine neue Tätigkeit auf.

clip_image028Gisela Bartel mit ihrem Mann Siegfried
(2008)

Nach der Einheit Deutschlands meldete sie sich arbeitslos und bewarb sich bei der Sozialstaion des Diakonischen Werkes in Rathenow. Da sie gern Krankenschwester war, stellte sie das Diakonische Werk in Rathenow für die Hauskrankenpflege ein. Vom 01.08.1991 – 31.12.1993 baute sie die Hauskrankenpflege des Diakonischen Werkes in Rathenow auf. Dann musste sie sich wegen Berufsunfähigkeit ihre Tätigkeit aufgeben.
Sie arbeitet heute gern in ihrer Evangelischen Hoffnungskirchengemeinde im Elb-Havel-Winkel mit und webt und spinnt mit einem Team von Frauen. Eine besondere Kunst ist das Weben von Paramenten. Das sind künstlerisch aufwendig gestaltete Textilien, die in den Kirchen als Altardecken oder Decken für die Kanzel benutzt werden. Der Name leitete sich aus dem Lateinischen „para mentum“ (den Geist bereiten) oder „para mensam“ (den Tisch bereiten) her. Die Weberinnen und Weber bedürfen dazu der inneren Einkehr und des Gebetes. Gisela Bartels Anliegen ist es, dass auch kleine Gemeinden neue Paramente oder Antependien (Altarvorhänge) erhalten. Die Paramente von Gisela Bartel werden diesen hohen Anforderungen gerecht.

clip_image030Kanzelschmuck

Jeder Künstler, der Paramente anfertigt, hat natürlich eine Signatur. Die Kreuze, die sich als Saum auf den Paramenten befinden, sind die heimliche Signatur von Gisela Bartel.

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Seit 2015 verwendete sie auch liturgische Texte für ihre Paramente. Die Farben der Paramente richten sich nach dem Festkalender im Kirchenjahr:

1. Lila      Advent und Passion

2. Weiß    Weihnachtsfest, Ostern, Christi Himmelfahrt

3. Rot     Pfingsten, Konfirmationen, Reformationstag, alle Gemeindefeste

4. Grün   Trinitatisfest und den ganzen Sommer hindurch

 

IMG_0001-001Altardecke für das Pfingstfest

 

 

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Kanzelschmuck für das Pfingstfest

Gisela Bartel-Zollenkopf hat 2003 ein Buch mit dem Titel „Der zerbrochene Ring“ herausgegeben. Sie beschreibt darin ihre ost-westpreußische Familiengeschichte und hat aus Tagebuchblättern ihrer Mutter Charlotte Zollenkopf, aus Briefen und eigenen Erinnerungen eine fesselnde Zeitgeschichte verfasst, die man nicht eher aus der Hand legt, bis man sie ausgelesen hat.

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Das Buch kann bei Gisela Bartel, Genthiner Str. 21, 14712 Rathenow, Tel.:03385-509283 bestellt werden.

Gisela Bartel liest aus ihrem Buch.

1. Weihnachten in Lichtfelde (Westpreußen) 1944 
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2. Weihnachten in Muchow (Mecklenburg) 1946  
                             Video

3. Weihnachten in Rehfelde bei Berlin (Brandenburg) 1948
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4. Weihnachten im Diakonissenmutterhaus (Potsdam-Hermannswerder) 1955
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Am 23.03.2015 trat sie dem Förderkreis zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow e. V. bei, weil sie den Wiederaufbau der im Zweiten Weltkrieg schwer zerstörten Kirche ihrer jetzigen Heimatstadt unterstützen möchte.

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Gisela und Siegfried Bartel
01.07.2007
im Hof der Lutherkirche in Rathenow


Gisela Bartel stellte am 09.09.2016 die Kreativgruppe "Die Spinn-Weben" in einer Geschichtskonferenz in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche diese Gruppe vor.



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Sie hat für eine kleine Gruppe von Menschen am 10.06.2015 in ihrem Garten ein Fest gegeben, wo die Spinn-Weben ihre Arbeiten vorstellten. Die “Spinn-Weben” sind ein kleiner Verein unter dem Dach der Evangelischen Kirche, die hobbymäßig spinnen und weben und ihre Produkte auch verkaufen. Es war ein buntes Treiben im Garten der Bartelschen Familie und es war schönes Wetter. Ein sehr gelungenes Fest.

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© Dr. Heinz-Walter Knackmuß 10.06.2015


80. Geburtstag von Gisela Bartel am 09.06.2017

Gisela Bartel feierte am 09.06.2017 ihren 80. Geburtstag. Sie hatte alle Verwandte, Freunde und Spinnerinnen und Weberinnen nach Garz (Havelberg) eingeladen, um dort bei herrlichem Sommerwetter am 10.06.2017 mit ihr zu feiern. Es waren wohl an die 100 Gäste gekommen und es gab eine große Freude beim Wiedersehen, denn viele hatten sich lange nicht mehr gesehen. Ihre Schwester, Pfarrerin Dorothea Hallmann, aus Cottbus leitete dann ein festliches Konzert ein, was zu ihren Ehren unter der Regie von Hanna Seefeld in der kleinen Dorfkirche Garz gegeben wurde. Das Altartuch und das Kanzeltuch in dieser Kirche stammen von den fleißigen Händen Gisela Bartels, die eine Gabe hat, diese Parammente zu weben. Das war dann der krönende Abschluss aller Feierlichkeiten, die drei Tage andauerten. Es hatte sich auch ein kleiner Projektchor mit Pfarrerin Katrin Brandt gegründet und so erklang zu Beginn "Lobe den Herren." Es gab viele Kanons und natürlich eine Reminiszenz an die Heimat von Gislea Bartel - Ostpreußen, den ein anderer Chor sang: "Abends ziehen Elche von den Dünen, von der Palve (Heide)  an des Haffes Strand" von Heinrich Eichen und Gerd Lascheit. Die Jubilarin war zu Tränen gerührt. Gisela Bartel spendete die Säulensteine Nr. 10846 -10849 für den Wiederaufbau der der drei Kreuzgewölbe im Chorraum der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow. Der Förderkreis bedankt sich für die Spe



1. Lobe den Herrn

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2. Pfarrerin Dorothea Hallmann (Cottbus)

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3. Reminiszenzen an Ostpreußen

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Abends ziehen Elche von den Dünen von der Palve* an des Haffes Strand.
und die Nacht wie eine gute Mutter deckt ihr Tuch wohl über Haff und Land.

Ruhig trinken sie vom großen Wasser, darin Sterne wie am Himmel stehn.
Und sie heben ihre starken Köpfe lautlos in des Sommerwindes Wehn.

Ruhig ziehen wieder sie von dannen, Tiere einer längst vergangnen Zeit.
Und sie schwinden in der Ferne Nebel wie im großen Tor derEwigkeit.

(Text von Heinrich Eichen *15.08.1905 -  † 30.05.1986) vertont von Gerd Lascheit

*Palve=ostpreussisch Heide







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Biografien

Biografie von Helga Hille

von Dr. Heinz-Walter Knackmuß 28. Januar 2015 18:25

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Helga Gertrud Charlotte Hille, geborene Krietsch, wurde am 21.04.1927 in Rathenow in der Elberlingstr. 1, der heutigen Paracelsusstraße, geboren. Ihr Vater, Karl Krietsch, war Bankbeamter und nach 1945 Darremeister bei der Forst in Rathenow. Ihre Mutter, Charlotte Krietsch, geborene Senß, war Hausfrau. Helga Hille wuchs gemeinsam mit ihrem älteren Bruder Hans-Eberhard in Rathenow auf.

clip_image004Rathenow, Paracelsusstraße 1

Dieses Haus ließen die Großeltern Ida und Karl Senß 1911 erbauen. Helga Hille wurde in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche von Superintendent Hans Wilhelm Ettel getauft.
1933 wurde Helga Hille in der Jahnschule eingeschult und absolvierte hier das erste Schuljahr. Das 2. - 4. Schuljahr war sie an der Neustätischen Mädchenschule in Rathenow und vom 5. – 12. Schuljahr am Lyzeum in der Schleusenstraße, das später in „Oberschule für Mädchen“ umbenannt wurde. Ab dem 8. Lebensjahr erhielt Helga Hille Klavierunterricht bei Erna Diecke in der Heinrich-von-Rosenberg-Straße in Rathenow.
Helga Hille wurde am 27.03.1942 in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche von Superintendent Georg Heimerdinger eingesegnet. Ihr Konfirmationsspruch lautete: „ Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen“ (Korinther 13,13).

clip_image006Einsegnung 27.03.1942

1945 hospitierte sie in der Jahnschule in Rathenow und besuchte ab Januar 1946 acht Monate lang einen Neulehrerkurs in Brandenburg an der Havel. In dieser Zeit lernte sie ihren späteren Mann, Werner Hille (*05.06.1922 - † 16.11.2014), kennen. Werner und Helga verband nicht nur das gemeinsame Berufsziel, sondern auch das Interesse an Sport und Musik. Zu zweit oder mit Freunden und Verwandten wurde Hausmusik gemacht. Am 26.07.1947 heirateten Helga und Werner Hille in der Lutherkirche in Rathenow und wurden von Superintendent Georg Heimerdinger getraut. Ihr Trauspruch lautete: „ Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen“ (Korinther 13,13).

clip_image008Helga und Werner Hille
26.07.1947

Helga Hille hatte ab 1946 ein Jahr lang als Schulamtsbewerberin in der Jahnschule in Rathenow gearbeitet.  Nach der Heirat bekam das Ehepaar die erste gemeinsame Lehrerstelle in Zachow bei Ketzin (Kreis Westhavelland), wo beide an der dortigen Grundschule unterrichteten und berufsbegleitend eine Fortbildung absolvierten und 1948 ihr erstes Lehrerexamen und 1950 ihr zweites Lehrerexamen bestanden. In Zachow blieb das Lehrerehepaar Hille von 1947 - 1949. Von 1949 – 1952 arbeitete Helga Hille mit ihrem Mann an der Grundschule in Brielow, die bis zur 6. Klasse führte. 1953 zog die Familie nach Rathenow, wo Werner Hille an einer Erweiterten Oberschule in Premnitz bis zum Abitur Mathematik und Physik unterrichtete. Ab 1059 unterrichtete er an der Geschwister-Scholl-Schule Physik und Astronomie und war auch Fachberater für Astronomie. Dort unterrichtete es bis zu seinem Rentenalter, das er 1987 erreichte. Von 1953 – 1973 wohnte die Familie in Rathenow, in der Röntgenstraße und ab 1973 zogen sie wieder das elterliche Haus in der Paracelsusstraße. Ab 1953 widmete Frau Hille ihre ganze Aufmerksamkeit und Fürsorge ihren drei Söhnen und ihrer Tochter und sowie ihren Eltern und Schwiegereltern. Sie arbeitete stundenreduziert an der Pestalozzi- (Förderschule) und Geschwister-Scholl-Schule in Rathenow.  Ab 1970 bis zu ihrem Eintritt ins Rentenalter 1987 unterrichtete sie dann wieder die Fächer Deutsch, Mathematik und Musik für die Klassen 1- 4 an der Geschwister-Scholl-Schule in Rathenow. Für den Musikunterricht kam ihr zugute, dass sie als Kind eine Klavierausbildung erfahren hatte. Von ihrem Mann lernte sie das Gitarrenspiel. Sie hatte ihm zwei Bänder für eine Laute bestickt mit dem Anfang der Lieblingslieder, die sie gern gemeinsam sangen. Handarbeiten sind eine weitere große Leidenschaft von Frau Hille.

clip_image010Helga Hille mit der Laute (13.01.2015)

Sie hat acht Enkel und acht Urenkel, die ihr sehr viel Freude bereiten. Einmal im Jahr gibt es ein Enkeltreffen.

Werner Hille hat sich immer sehr für die Entwicklung der Stadt Rathenow interessiert und sich aktiv daran beteiligt. Als Astronomielehrer hat er die von Herrn Ingenieur Rolf in Rathenow gebauten Fernrohre, genutzt und betreut. Er hat zu verschiedenen Anlässen für den Aufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche und auch für den Lebensbaum in der Stadt gespendet. Als Werner Hille am 16.11.2014 verstarb, bestimmte Helga Hille mit ihren Kindern, dass statt Blumen und Kränzen eine Spende zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche erfolgen sollte. Dabei kamen 1500,00 € zusammen. Der Förderkreis zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow e.V. überreichte ihr im Gedenken an ihren Mann den Stifterbrief in Silber Nr. 36 und den Stifterbrief in Bronze Nr. 47.

clip_image012Werner Hille

Das Leben von Helga Hille ist in vielfacher Weise mit der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow verwoben. Deshalb entschloss sie sich dem Förderkreis zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow e. V. beizutreten.
Sie wollte selbst etwas für die im Zweiten Weltkrieg schwer zerstörte Kirche tun.

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